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Pietätlos
Nach dem Verlust eines Menschen muss man innehalten können. Jeder für sich so lange und so intensiv, wie ihm zumute ist. Der traurige Moment des Erinnerns und Abschiednehmens gehört in die Mitte unseres Daseins. Für uns, die wir leben. Für den, der plötzlich fehlt.
Den Begriff Pietät kennen auch Nichtgläubige. Respekt und Ehrfurcht sollen, das wollen Funktionäre aus den Regeln ablesen, den Fußballern des SC Münster 08 nicht vergönnt sein. Donnerstag erfahren die Landesligaspieler vom plötzlichen Tod ihres Trainers Hubert Inckmann – Sonntag 15 Uhr haben sie trotzdem auf dem Platz zu stehen. Und ihren Job zu machen. Es sei ja kein Spieler gestorben, sondern einer aus dem Umfeld der Mannschaft.
Eine unfassbare, ja menschenunwürdige Vorschrift, der sich da die Sportler beugen sollen. Dass sie irgendwann ohne den aus ihrer Mitte gerissenen Trainer weitermachen werden, ist der Lauf des Lebens – dies aber ohne den Moment der Stille machen zu müssen, verletzt jeden Anstand dem Leben und dem Tod gegenüber.
Der Verein macht das einzig Richtige – Nullacht lässt die Spieler entscheiden. Und trägt für sie alle Konsequenzen, die sich womöglich ergeben, wenn die Elf am Sonntag um 15 Uhr nicht auf dem Platz steht.
Thomas Austermann
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