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[17.05.2010 | ECHO]

Aus sechs mach eins: echo-muenster bekommt ein neues Format. Wir verabschieden uns von den Ressorts Aktuelles, Wirtschaft, Kultur, Hochschulen und Kaleidoskop. Die Sportkollegen werden in gewohnter Qualität weiterhin tagesaktuell berichten - und dies noch ausführlicher tun. Thomas Austermann und Lutz Hackmann bleiben also im wahrsten Sinne des Wortes „am Ball“. 

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Trittin in Münster: Präzise und pointiert

Jürgen Trittin

Jürgen Trittin in Münster: "Lassen Sie sich nicht kirre machen!" [Foto: Hackmann]

[28.04.2010 | Münster | LUH]

Wenn er da so auf der Bühne steht, schneidig im Anzug, leger immer eine Hand in der Hosentasche, souverän in jeder Bewegung, dann könnte man - rein optisch - durchaus geneigt sein, Jürgen Trittin für einen Vertreter zu halten. Einen Vertreter der Parteien, die der Bundesvorstand der Grünen derzeit im nordrhein-westfälischen Wahlkampf hart bekämpft.

Doch die Inhalte seiner Politik, die der ehemalige Bundesumweltminister der Schröder-Regierung am Mittwochabend vor dem Stadthaus 1 den gut 300 Zuschauern und Zuhörern vermittelte, besagen das genaue Gegenteil. Gediegene Garderobe und klare öko- und sozialpolitische Vorstellungen schießen einander nicht aus, das beweist Trittin. Gestochen scharf seine Formulierungen, pointiert und präzise zugleich. Trittin vermittelt den Eindruck, dass er genau weiß, bis auf die zweite Stelle hinterm Komma, was er sagt. Zahlen, Daten, Fakten, alles das hat er parat, nachzuvollziehen für alle, die es nur wollen.

Mal flachsend, meist verbindlich

Einen Roten Teppich oder ähnliches Ballyhoo braucht der Berliner Grünen-Chef in Münster nicht, fast puristisch war am Mittwoch das Podium mit dem kleinen Holzstehstisch vor dem LKW mit wenigen grünen Wahlplakaten. Was Trittin vermitteln will ist etwa das: Das, was wir vorhaben, ist nicht Öko-Fuzzy-mäßig, es ist vernünftig. Keine Phrasen, natürlich ein paar Standards, mal etwas flachsend, zumeist aber verbindlich.

35 Minuten

So waren die nur 35 Minuten, die der Ex-Minister seiner Gefolgschaft in Münster gewährte, doch so gestrickt, dass die „Zwölf Gründe für Grün“, die die Partei in ihren Flyern präsentiert, alle hinein passten. Zum Vorteil für die Corona vor dem Stadthaus, denn schwadronieren wollte und musste Trittin nicht. Den Einstieg allerdings lieferte ein europäisches Thema: Die Griechenland-Krise. „Man hat in diesem Fall einfach viel zu spät reagiert“, sagt Trittin, „wir Deutschen müssen uns da an die eigene Nase fassen.“ Denn Deutschland habe seit Jahren einen riesigen Handelsüberschuss in der deutsch-griechischen Bilanz. „Über Jahre hinweg hat die die deutsche Industrie von der überbordenden Nachfrage aus Griechenland profitiert“, meint Trittin, von den Südeuropäern finanziert durch Schulden.

Die "Gelben" als Rotes Tuch

Doch die Schwerpunkte setzen die Grünen vor allem in der Öko- und Sozialpolitik, so rückte auch Trittin diese Themen in den Mittelpunkt. Vor allem die gelbe FDP, der der Ex-Minister „Heiderisierung“ vorwirft, ist für Trittin ein Rotes Tuch und Ziel seiner Kritik. Beinahe angewidert denkt der „Vater des Atomausstiegs“ über die mögliche Rolle rückwärts in der Energiefrage nach. Und bringt präzise Beispiele. Klar, die Grünen wollen schwarz-gelb in NRW nicht nochmal eine Chance zubilligen. „Lassen Sie sich nicht kirre machen von Umfragen, es ist wichtig, dass Sie zur Wahl gehen. Geben Sie uns ihre Zweitstimme, dann haben wir bald statt Rent a Rüttgers einen Rüttgers in Rente!“, fordert Trittin. Und dann hat er fertig. Der nächste Wahlkampf-Termin an diesem Abend wartet schon.

Lutz Hackmann

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