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[17.05.2010 | ECHO]

Aus sechs mach eins: echo-muenster bekommt ein neues Format. Wir verabschieden uns von den Ressorts Aktuelles, Wirtschaft, Kultur, Hochschulen und Kaleidoskop. Die Sportkollegen werden in gewohnter Qualität weiterhin tagesaktuell berichten - und dies noch ausführlicher tun. Thomas Austermann und Lutz Hackmann bleiben also im wahrsten Sinne des Wortes „am Ball“. 

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Tsunami 2010 in Chile: Münstersche Geologen forschen, wie er die Küsten verändert hat

Prof. Dr. Heinrich Bahlburg bei Vermessungsarbeiten

Prof. Dr. Heinrich Bahlburg (links) bei Vermessungsarbeiten. Im Hintergrund Untersuchungen durch chilenische Staatsbedienstete. [Fotos: Privat]

[03.05.2010 | Münster | ECHO]

Der Tsunami, der im Februar 2010 weite Küstenbereiche Zentralchiles verwüstete, transportierte Gesteinsblöcke von dreieinhalb Meter Kantenlänge und bis zu 20 Tonnen Gewicht etwa 200 Meter weit ins Landesinnere.

Diese und andere Beobachtungen machten Forscher vom Institut für Geologie und Paläontologie der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) jüngst in Chile.

Küsten-Bedrohung bestimmen

Dort führten sie über drei Wochen geologische Untersuchungen im Gelände zu Ausmaß und Wirkung des Tsunamis durch. Die Erkenntnisse sollen dazu beitragen, in Zukunft das Gefährdungspotenzial von durch Tsunamis bedrohte Küsten zu bestimmen.

Zwei Münsteraner im Team

Prof. Dr. Heinrich Bahlburg und Dr. Michaela Spiske vom Institut für Geologie und Paläontologie bildeten als einzige Deutsche eines von mehreren internationalen Forscherteams. Diese untersuchten auf Einladung der chilenischen Regierung und koordiniert von der UNESCO die Wirkung des Tsunamis auf Häfen, Wohngebäude, Industrieanlagen und Küstenräume. Ursache des Tsunamis war ein Erdbeben der Moment-Magnitude 8,8 mit einem Epizentrum im Südpazifik, nördlich der chilenischen Stadt Concepción.

Ausmaß dieses Tsunami enorm

Heinrich Bahlburg skizziert das Ausmaß der Zerstörung: "Erdbeben und Tsunami kosteten zusammen etwa 500 Menschenleben. Einige Regionen wurden infolge des Erdbebens um drei Meter angehoben. Zwischen Valparaiso im Norden und Valdivia im Süden Chiles zerstörte der Tsunami zahlreiche Küstenorte. Der Tsunami drang an manchen Stellen bis zu drei Kilometer ins Landesinnere vor und erreichte Überflutungstiefen von bis zu acht Meter. Die höchsten überfluteten Geländepunkte lagen rund 40 Meter über dem Meeresspiegel."

Dicke Brocken rollten ins Landesinnere

Die münsterschen Wissenschaftler, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt wurden, unternahmen detaillierte Geländevermessungen. "Zudem haben wir untersucht, inwieweit der Tsunami die Geomorphologie entlang der betroffenen Küsten verändert hat und welche sedimentären Ablagerungen und Erosionsstrukturen er beim Auf- und Ablaufen hinterlassen hat", erklärt Michaela Spiske. Lose herumliegende Gesteinsblöcke wurden aus dem küstennahen, flachen Meer rollend bis zu 200 Meter ins Landesinnere transportiert - wie der Brocken auf dem nebenstehenden Foto.

So geht die Arbeit weiter

"Das hydrodynamische Verhalten von Tsunamis bei Auf- und Ablaufen sowie insbesondere die Prozesse, die zur Erosion und Ablagerung von Sedimenten unterschiedlichen Kalibers führen, sind noch weitgehend ungeklärt", so Heinrich Bahlburg. "Wir sind überzeugt, dass unsere Geländebefunde neue Erkenntnisse zu Sedimentationsprozessen liefern. Wir werden unsere Ergebnisse in den nun folgenden Laboruntersuchungen erhärten." Die Ergebnisse werden zudem helfen, die Ablagerungen von historischen oder noch älteren Tsunamis in der geologischen Überlieferung besser aufzufinden. Eine zunehmend genaue Kenntnis dieser Überlieferung wird es schließlich erlauben, Wiederholungsintervalle und Magnitude von Tsunamiereignissen, und damit das Gefährdungspotenzial für die entsprechenden Küsten, zu bestimmen.

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