Von überglücklich bis enttäuscht: Münsters Kandidaten kommentieren den Ausgang der Landtagswahl 2010

Bei der FDP gab's enttäuschte Gesichter. Für Petra Pabst und Christoph Jauch, die beiden Kandidaten, setzte es aber auch Präsente - vom Kreisvorsitzenden Daniel Bahr (2.v.r.) höchstpersönlich. [Foto: Heike Hänscheid]
Die einen jubilierten, die anderen zeigten sich geknickt: Die Landtagswahl bot Spannung pur. Nicht minder aufregend verlief die Bekanntgabe der aktuellen Ergebnisse in der Bürgerhalle der Rathauses. Dort verfolgte auch ein Großteil der münsterschen Kandidaten das per Bildschirm übermittelte Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden großen Parteien.
Das Team von echo-muenster erkundigte sich bei den Bewerbern nach ihren persönlichen Einschätzungen:
Josefine Paul (Die Grünen): „Ich bin super glücklich, obwohl ich bis 18 Uhr noch daran gezweifelt habe, ob mein Ergebnis im zweistelligen Bereich liegen wird. Die Angstkampagnen der CDU, vor allem hier in Münster, haben offenbar nicht gefruchtet – wohl auch, weil die Partei kaum eigene Inhalte vorgestellt hat. Ich freue mich jedenfalls auf die Arbeit in Düsseldorf – meine Wohnung in Münster werde ich vorerst aber nicht aufgeben.“
Christoph Jauch (FDP): „Ich bin maßlos enttäuscht, hätte nicht damit gerechnet, dass die Landesregierung derart deutlich von den Wählern abgestraft wird. Offenbar ist es nicht gelungen, die seit der Amtsübernahme in 2005 von Schwarz-Gelb erzielten Erfolge pointierter herauszustellen. Vermutlich hat uns aber auch die seit Tagen schwelende Griechenland-Debatte arg geschadet. Mit meinem persönlichen Abschneiden kann ich hervooragend leben. Wenn es die Parteigremien möchten, trete ich beim nächsten Mal wieder an."
Rüdiger Sagel (Die Linke): „Erstens: Wir sind drin, haben es geschafft, mit einer eigenen Fraktion in den Landtag einzuziehen. Zweitens: Die Koalition aus CDU und FDP muss abdanken - damit sind unsere beiden wichtigsten Ziele in Erfüllung gegangen. Wie sich die Dinge in Düsseldorf jetzt weiter entwickeln, das bleibt äußerst interessant. Ich bin gespannt, welche Konstellation da am Ende herausspringt. Was mein Ergebnis in Münster anbelangt, bin ich zufrieden. Da konnte die Linke - verglichen mit der Kommunalwahl - weiter zulegen."
Otto Reiners (Die Grünen): „Dass ich in meinem Wahlkreis knapp 18 Prozent der Stimmen holen konnte, damit habe ich nicht gerechnet – und freue mich umso mehr über dieses tolle Ergebnis. Mein Schwerpunktthema, die Bildungspolitik, ist den Menschen offenbar besonders wichtig, das Programm der Grünen - längeres gemeinsames Lernen - wird gut angenommen. Ich freue mich auch für Josefine, dass sie uns in Düsseldorf vertreten wird.“
Svenja Schulze (SPD): „Ein direktes Kopf-an-Kopf-Rennen mit der CDU - wer hätte dies vor Monaten schon erwartet? Auch weil Schwarz-Gelb die Mehrheit verloren hat, ist es für uns ein toller Abend. Minus zehn Prozent für Rüttgers und Co. - dahinter verbirgt sich die Quittung dafür, dass die Union in der Schulpolitik auf ein völlig antiquiertes System gesetzt hat. Ob mein Listenplatz für einen Einzug ins Parlament reicht, wird die weitere Auszählung der Stimmen zeigen. Reicht es nicht, nehme ich meinen alten Beruf auf - kein Problem."
Petra Pabst (FDP): „Natürlich bin ich an einem solchen Abend unzufrieden, hätte mir ein wesentlich besseres Ergebnis gewünscht - trotz der leichten Zugewinne gegenüber 2005. Vermutlich haben es die anderen Parteien unterm Strich besser verstanden, bundespolitische Themen für sich zu nutzen - Stichwort: Griechenland. Trotzdem haben wir vor Ort viel Zuspruch erhalten, haben einen engagierten Wahlkampf hingelegt - unterstützt von einem hochmotivierten Team. Deshalb bin ich mir ganz sicher: Es wird sich für uns auszahlen, dass wir authentisch geblieben sind."
Josef Rickfelder (CDU): „Das Wahlergebnis in für die münstersche CDU fällt im Verhältnis zum Landesergebnis besser aus. Jetzt ist es wichtig, dass sowohl Thomas Sternberg als auch ich unsere Stadt in Düsseldorf sehr gut repräsentieren werden. Das schlechte Resultat für Jürgen Rüttgers hat dieser zum Teil selbst zu vertreten, kleine Unzulänglichkeiten aus den eigenen Reihen haben sicher dazu beigetragen. Insgesamt hat die Bundespolitik diesen Wahlkampf stark mitbestimmt, Stellungnahmen zur Griechenland-Debatte oder zu Hartz IV waren hier entscheidend. “
Dr. Anna Boos (SPD): „Ich bin davon ausgegangen, dass ich den Sprung nach Düsseldorf nicht schaffen werde, so wie es letztlich auch gekommen ist. Das ist schade, aber jetzt drücke ich Svenja Schulze die Daumen, dass es für sie klappen wird. Über eine rot-grüne NRW-Regierung würde ich mich sehr freuen, das ist es, wofür wir so lange gekämpft haben. Dreh- und Angelpunkt dieser Wahl war die Bildungspolitik. Die CDU hatte hier nicht viele Inhalte zu bieten – was man jetzt an ihrem schlechten Ergebnis ablesen kann.“
Ali Atalan (Die Linke): „Ein großer Erfolg für uns - nicht zuletzt deswegen, weil wir mit zwei Abgeordneten - Rüdiger Sagel und ich - ins Parlament einziehen werden. Dass wir dort eine Fraktion bilden, auf die politischen Entscheidungen - entweder als Regierungs- oder Oppositionspartei - Einfluss nehmen können, wird Nordrhein-Westfalen gut tun. Okay - ich hätte mir mindestens eine 6 vor dem Komma gewünscht. Dass es nicht dazu kam, verdanken wir bodenlosen unterstellungen, mit denen etwa die CDU gegen uns Front gemacht hat. Insgesamt kann ich sagen - alles bestens." 
Prof. Dr. Thomas Sternberg (CDU): „Ich bin überzeugt davon, dass wir in den vergangenen Jahren eine außerordentlich gute Politik gemacht haben. Da ist es sehr schade, dass es uns anscheinend nicht gelungen ist, diese Erfolge im Münsterland zu kommunizieren. Im Landtag werde ich mich weiterhin für Münster einsetzen und Projekte wie die Sanierung des Hauptbahnhofes vorantreiben. Den Jubel der SPD kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, die Sozialdemokraten haben das schlechteste Ergebnis im Landtag seit 1954 geholt. Den größten Profit konnten sicherlich die Grünen aus dieser Wahl ziehen.“
Markus Lewe, Oberbürgermeister (CDU): „Für den Ausgang dieser Wahl war mir als Oberbürgermeister von Münster in erster Linie wichtig, dass sich das Münsterland stark behaupten kann: Projekte, die hier in der Warteschleife stehen, dürfen wir nicht aus den Augen verlieren. Jetzt stehen vorerst keine Wahlen mehr an, das heißt: Endlich können langfristige Entscheidungen gefällt werden. Darauf freue ich mich.“
Wolfgang Halberscheidt / Caroline Kern
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