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NightWash-Club in Münster: Laut, charmant, offensiv und auch etwas albern

Wenig moderater Moderator: Sven Hieronymus avancierte zum heimlichen Star des vierten NightWash-Gastspiels in Münster. [Fotos: Hackmann]
Es wird einfach nicht langweilig. Auch wenn der NightWash-Club jetzt schon zum vierten Mal seit Oktober in Stadttheater einkehrte, schickt die „Zentrale“ aus Köln immer wieder neue Gesichter – und damit auch (zumindest für Münster) neue Comedians in die Domstadt. Das tut der Vielfalt und nicht zuletzt der Lachmuskulatur gut.
Am Vatertag hatte Sven Hieronymus als Zeremonienmeister, Moderator oder wie auch immer ins Kleine Haus eingeladen. Wobei der End-Dreißiger mit dem langen blond gefärbten Haaren und der Brille eigentlich weniger Moderator als sehr präsenter Programmpunkt war. Gut, dass der Langhaarige zu Anfang sein Äußeres erklärte. Hieronymus findet sich hässlich – und hat Riesenspaß dabei. Viel Zeit nimmt er sich für sein Auditorium, frozzelt dabei gerne über seine Gäste, spontan und (wenn auch manchmal knapp) im Rahmen. Er weiß um seine „regionale Behinderung“, wie er es passend nennt, seinen Mainzer Dialekt. Und babbelt laut und munter drauf los.
Lokalmatador Claasen
Und dann kommt nach einiger Zeit auch der erste Gast auf die Bühne. In Münster geboren, 22 Jahre hier gelebt – und jetzt mehr oder weniger passionierter Single ist Jens Heinrich Claasen (Foto). Charmant und feinsinnig öffnet Claasen sein Single-Herz den Zuschauern. Meist begleitet er seine einschlägigen Songtexte am kleinen Flügel. Von der Vortragsart hat Claasen ein bisserl was vom frühen Hagen Rether, das kommt auch beim Publikum an.
Schweinegrippe - als Moslem?!
Genau so wie Abdelkarim. Der Bielefelder Deutsch-Marokkaner (oder Marokko-Deutsche) nimmt sein ostwestfälisches „Ghetto“ aufs Korn. Erfrischend offensiv geht Abdelkarim dabei mit den Verhaltensmustern und dem Slang seiner Nachbarn mit Migrationshintergrund um, die er genau beobachtet hat. Und seine Logik ist einfach entwaffnend. „Ich habe am meisten Angst vor der Schweinegrippe. Darf ich die als Moslem überhaupt haben?“, fragt sich der Ostwestfale mit nordafrikanischen Wurzeln. Zudem vertraut er als ehemaliger Hauptschüler dieser Schulform zu hundert Prozent. „Es ist die Sicherste. Da würde nie ein Amoklauf stattfinden. Die wissen ja, dass da zurückgeschossen wird.“
Pommesgabeln etwas albern
Das Gesamtpaket des vierten NightWash-Clubs in Münster komplettierte das Kölner Musik-Comedy-Duo „Die Pommesgabeln“. Allerdings fielen die beiden gegenüber den anderen Programmpunkten doch etwas ab. Sicher, für den bestenfalls mäßig gemixten Bühnensound (Gesang) können die Jungs nichts. Aber ihre Song-Parodien mit deutschen Texten über Titten und Bier, gipfelnd in der Zugabe: „Kann der Pipimann auch Aa?“ waren hier und da doch schon etwas albern, wenngleich ihre Dialoge doch schon witziger und niveauvoller rüberkamen.
Insgesamt hat es schon bessere NightWash-Clubs in Münster gegeben als am Donnerstagabend. Allerdings hat der witzige Waschsalon mit seinen drei bisherigen Gastspielen die Messlatte überaus hoch gehängt. Ein verschwendeter Abend war es auf gar keinen Fall, und im Publikum wird es niemanden gegeben haben, der enttäuscht den Rückweg angetreten hat. Jetzt legen die NightWasher erstmal fünf Monate Münster-Pause ein. Im Oktober schlägt das Waschmaschinen-Imperium dann zurück.
Lutz Hackmann
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