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Tim Hagedorn spielt wieder Fußball: Vom Strudel nicht weg gerissen worden

Tim Hagedorn kehrt zurück auf den Fußballplatz - um viele persönliche Erfahrungen reicher. [Foto: Austermann]
Am 8. November hat er sein bisher letztes Fußballspiel bestritten, seither durfte Tim Hagedorn nicht mehr auf den Platz. Der 24-jährige WWU-Lehramtstudent geriet in einen Strudel. Sein Name wurde im Zuge des bundesweit beachteten Wettskandals genannt.
Der SC Verl suspendierte ihn, DFB und die Staatsanwaltschaft luden ihn vor. Tim Hagedorn ist vom Strudel keineswegs weg gerissen worden. Demnächst spielt er wieder. In Münster.
Und zwar sehr wahrscheinlich beim TuS Hiltrup unter Trainer Thomas Fuchtmann, wenn die letzten Details geklärt sind. Hagedorn, den 1,89 m langen defensiven Mittelfeldspieler aus Bergkamen, zieht es aus Studiengründen in die Landesliga. In den Fächern Sport und Geschichte will er endlich weiterkommen – den Abschluss nämlich will er partout. Vor dem Wiedereinstieg in die Fußballszene, zu der er nie den Kontakt verlor, sprach echo-muenster.de mit Hagedorn.
Sperre wegen Unsportlichkeit
Wie geht es einem jungen und beliebten Mann, der sich einer öffentlichen Vorverurteilung kaum erwehren konnte? Im November 2009 war sein Name allgegenwärtig, der Boulevard fiel regelrecht über ihn her. Obschon er stets und deutlich beteuerte, an keinerlei Spielmanipulationen beteiligt gewesen zu sein, „obwohl ich nie Kontakt hatte zur so genannten Wettmafia“, ließ der SC Verl den Stammspieler fallen. Hagedorn und der damalige Kapitän Patrick „Pepe“ Neumann flogen aus dem Trainings- und Spielbetrieb. „Anhaltspunkte“ machte der Verein geltend. Er müsse irgendwas tun.
Nach Ansicht des Hagedorn-Anwalts Andree Kruphölter (Ahlen) war die Suspendierung ebenso wenig rechtens wie die Vorhaltungen von Dachverband und Staatsgewalt zutreffen. Einen Tag vor dem Arbeitsgerichtstermin in Bielefeld einigten sich im April Verein und Spieler auf Vertragsauflösung. Hagedorn ist auch deshalb ein freier Fußballer, weil am 24. Mai die vom DFB
ausgesprochene Halbjahressperre abläuft. „Ich bin wegen einer Unsportlichkeit gesperrt worden.“
„Heute weiß ich, dass es ein Fehler war, die ganze Geschichte ein paar Tage mit mir herum geschleppt zu haben.“ Hagedorn äußerte sich damals aber vor dem in den Fokus geratenen Spiel klar: „Ich habe gesagt, dass ich nicht dabei bin.“
In Gladbach "war was"
Die Partie am 30. Mai 2009 in Gladbach bei der Borussia-Zweiten gewann Verl mit 4:3. Es soll illegale Bestrebungen gegeben haben, dass Verl verliert. Nach dem 3:0-Halbzeitstand für die Ostwestfalen stand es später 3:3, ehe Hagedorn frei vor dem Kasten auftauchte und klug querlegte auf den 4:3-Torschützen Christian Knappmann. „Dass in diesem Spiel etwas passierte, dass da was war, konnten wir merken.“ Damals hieß es, ein Verler Spieler sei in der Halbzeitpause per SMS aufgefordert worden, der SC-Niederlage den Weg zu ebnen. Hagedorn: „Ich habe niemanden mit dem Handy in der Kabine herumlaufen sehen.“
Am 6. Juni 2009 verlor Verl das Heimspiel gegen die Kölner FC-Zweite mit 0:1. Der WDR berichtete damals, Eigentorschütze Ihsan Kalkan habe nicht zu den gekauften Spielern gezählt. Hagedorn sagte uns: „Ich bin nach meinem Nein, das ich vor dem Gladbach-Spiel geäußert habe, nicht wieder angesprochen worden.“
Laut WDR gab es Erkenntnisse der Bochumer Staatsanwaltschaft, wonach die Wettmafia 41.550 Euro auf einen Kölner Sieg in Verl setzt und nach dem 0:1 einen Gewinn von über 100.000 Euro erzielt. An gekaufte Verler Spieler sollen 20.000 Euro geflossen sein.
"Keiner hat mich im Stich gelassen"
Direkt nach der Suspendierung ging es Hagedorn „drei Tage richtig schlecht.“ Er verkroch sich bei seinen Eltern, die ihrem Sohnemann bedingungslos den Rücken stärkten. „Das war schon sehr gut, wie die zu mir gestanden haben.“ Überhaupt muss Hagedorn nicht von Freunden berichten, die von ihm abgerückt sind. „Keiner hat mich im Stich gelassen, die haben alle zu mir gestanden. Niemand konnte sich vorstellen, dass ich in die Geschichte verwickelt sein würde.“
Hagedorn hat irgendwann im engsten Kreis alles das erzählt, was er während der Zeit fühlte. „Ich musste loswerden, wie es in mir aussieht.“ In der Uni („Plötzlich kannte mich jeder“) bemerkte er sehr wohl, wie ihn manche verstohlen musterten. Die Menschen aber, die für ihn wirklich von Wert sind, halfen ihm. „Ich hatte den Job verloren, mit dem ich mein Studium finanziert habe. Ich musste was tun und habe das Angebot angenommen, in einer Kneipe zu arbeiten.“
Mit Freunden am Ball
Mit Schwimmen, Laufen und Mountainbikefahren hat er sich eine Grundfitness erhalten. „Inzwischen merke ich, dass was fehlt.“ Etliche Angebote von Klubvertretern hat er in diesen Tagen erhalten und abgelehnt. „Ich will da spielen, wo das Umfeld stimmt und ich ein paar Jungs kenne.“ Beim TuS träfe das zu – Uli Kockmann (noch Emsdetten 05) und Mirko Rühl (noch VfL Wolbeck) werden sicher oder wahrscheinlich an seiner Seite spielen.
Thomas Austermann
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