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Hommage an einen Club voller Paradiesvögel

Er hatte seine Sache gut gemacht - urteilten frühere Wegbegleiter: Adam Riese, der über das Jahrzehnt der Achtziger aus dem Nähkästchen plauderte, konnte zufrieden sein. [Foto: Halberscheidt]
Zwei Stunden lang: Nischen-Geflüster rauf und runter. Von einem Insider, der früher selbst zu den Wortführern zählte. Deshalb gibt es keinen Besseren, um die Geschichte(n) von damals nachzuerzählen. Damals – in den Achtzigern, als Adam Riese den Tanzpalast Odeon zum Zweitwohnzimmer umfunktionierte.
Dort gingen sie alle ein und aus – die Musiker, Schauspieler, Künstler, Paradiesvögel. Eine geradezu illustre Gemeinschaft. Am Mittwochabend im Pumpenhaus gewährte er einem dankbaren Publikum den Blick hinter die Kulissen der legendären Clubstätte. Viele waren der Einladung gefolgt, um sich von einem Protagonisten der ersten Stunde sagen zu lassen, was einst wirklich geschah. Der konnte, fürwahr, aus dem Vollen schöpfen, konnte jede Menge flotter Storys ausplaudern – etwa die über jenen hitzigen Jüngling, der zur Überraschung der Damenwelt auf den Bühnen stets gern die Hosen abstreifte. Und zum Abitur soll der Luftikus leicht alkoholisiert erschienen sein, trotzdem schnitt er mit Einser-Prädikat ab.
Formvollendeter Flamenco
Oder der andere Lebenskünstler: tanzte auf dem Tisch der Kronenburg-Kneipe formvollendet den Flamenco. So mancher trottete gar morgens nach dem Besuch der Disco gleich zur Schule, schlief dann jedoch übermüdet mit dem Kopf auf der Bank im Unterricht ein. Wilde, bewegte Zeiten.
Riese verstand aber nicht nur amüsant zu berichten: Anhand von Fotos, Cassetten, Schallplatten, Video-Clips rief er den Gästen schön unterhaltsam eine längst vergessen geglaubte Dekade in Erinnerung - und damit Personen, die Münsters Subkultur dominierten. So fuhren El Bosso & die Ping Pongs enthusiastisch auf der Ska-Welle ab, die Fidelen Schwager intonierten aus rauen Kehlen fröhliches Liedgut, Yvonnchen Berger träumte vom großen Karrieresprung, Schringo van den Berg durfte letztlich bei der singenden Herrentorte Helge Schneider anheuern.
Hansdampf in allen Gassen
Mittendrin im Getümmel: der Chronist höchstpersönlich. Punksänger, Discjockey, Showmaster, Hansdampf in allen Gassen – zufällig immer an Stellen präsent, wo just die Action tobte. Auf diese Weise bekam er natürlich die aufregendsten, interessantesten, originellsten Begebenheiten mit. Der Fundus seines schier unerschöpflichen Szene-Wissens.
Dass ein gewisser Götzi-Mausi vor zwanzig Jahren mit dem Depeche Mode-Gassenhauer „People are People“ eine glänzende Cover-Version ablieferte, Rock-Interpret Roger Trash von der berühmt-berüchtigten Schlüter-Truppe auf dem Send kurzerhand nieder gestreckt wurde, Promoter Ossi Münnig die Wolbecker Gymnasiasten-Truppe H-Blockx erfolgreich zu coachen begann, auch dies blieb den Freunden des multimedialen Rückblicks nicht vorenthalten.
Polizeipräsident als Duz-Freund
Darüber hinaus verriet Riese etliche nette Schmankerl: Bruderherz Stefan hat demnach den ehemaligen Polizeipräsidenten schwer beleidigt, duzt sich aber heute mit dessen Nachfolger, Alsmanns Perkussionist Markus Paßlick verdingt sich nebenher als Ideenstifter für das „Zimmer frei“-Bilderrätsel, Entertainer Dr. Ring-Ding gehört zu den wenigen lokalen Zugnummern, die bereits früh aus der „Bravo“ der Leserschaft entgegen grinsten.
Der Stadt-Schreiber hatte die Lesung bis ins kleinste Detail sorgfältig vorbereitet. Hatte das Programm daheim bei Bekannten getestet, die mit der „Ode ans Odeon“ vorher nur wenig anfangen konnten, die Anekdoten-Sammlung dennoch lobten: „Vergnüglich“, „kurzweilig“, „informativ“, lauteten die Kommentare. Das meinten zum Schluss wohl auch die Zuhörer: Sie spendierten Riese reichlich Applaus.
Wer zusätzliche Auskünfte wünscht: In dem von ihm akribisch zusammen getragenen Internet-Lexikon "Was macht eigentlich...?" sind detaillierte Biografien nachlesbar.
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Wolfgang Halberscheidt
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