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[17.05.2010 | ECHO]

Aus sechs mach eins: echo-muenster bekommt ein neues Format. Wir verabschieden uns von den Ressorts Aktuelles, Wirtschaft, Kultur, Hochschulen und Kaleidoskop. Die Sportkollegen werden in gewohnter Qualität weiterhin tagesaktuell berichten - und dies noch ausführlicher tun. Thomas Austermann und Lutz Hackmann bleiben also im wahrsten Sinne des Wortes „am Ball“. 

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Mit "Adleraugen" auf Fotopirsch

Hans Jörg Adler

Hitverdächtig: Genau im richtigen Augenblick drückte Hans Jörg Adler auf den Auslöser. [Foto: Adler]

[03.01.2008 | Münster | WLI]

„Durch unser Gespräch“, staunt Hans Jörg Adler, „wird mir erst bewusst, dass mich die Fotografie schon mein ganzes Leben lang begleitet“.

Ob es dem münsterschen Zoodirektor in die Wiege gelegt wurde sei dahingestellt, aber auf jeden Fall hatte sein Vater maßgeblichen Anteil an der Begeisterung des Sohnes: „Mein Vater hat immer sehr viel fotografiert und hat mich natürlich recht schnell angesteckt“, erinnert sich der 61-Jährige.

Mit "Penti" fing es an

Jörg Adler wuchs in Eilenburg bei Leipzig in der ehemaligen DDR auf – die Welt der westlichen Technik blieb ihm daher erst einmal versagt. „Mit zwölf Jahren bekam ich zu Weihnachten eine Penti, das war eine ganz simple Kleinbildkamera, und das Format war noch kleiner als Kleinbild“, schmunzelt der Zoochef, dessen Vater Tierarzt war.

Kleines Studio

Schon als Kind habe er sich zu Hause ein kleines „Studio“ gebaut, Objekte arrangiert und Bildaufbauten gestaltet. Nach der Schule versuchte er sich ein Jahr mit einem Hochbaustudium, aber „das war gar nicht meine Welt“, erinnert sich Jörg Adler. 1966 fing er als Hilfsarbeiter im Zoo Leipzig an und schlug dann die berufliche Laufbahn bis hin zum wissenschaftlichen Assistenten ein. Nebenbei absolvierte er mehrere Studiengänge.

Schwarz-Weiße DDR

„Ich hab in dieser Zeit permanent weiter fotografiert“, blickt Adler zurück – großen Anteil an diesem Engagement habe auch die Familie gehabt: 1968 heiratete Jörg Adler, drei Kinder motivierten zum regelmäßigen Klick auf den Auslöser. Die Foto-Welt der DDR war in diesen Zeiten noch schwarz -weiß, was den begeisterten Amateurfotograf aber nicht bremsen konnte.

Praktisix

„In den 80-er Jahren kaufte ich mir dann eine Sechs mal Sechs-Kamera und eine Praktisix, das war die Kamera für die Profis in der DDR“, zeichnet er seinen fotografischen Werdegang nach. Durch seinen Beruf kam Adler schließlich in die Volksrepublik Vietnam: „Es gibt wohl kaum noch ein Tier, das ich nicht auf dem Schiff von Vietnam nach Leipzig begleitet habe“, lächelt der Münsteraner vergnügt.

Faszination Vietnam

Und die Faszination Vietnams hält Adler bis heute in ihrem Bann: „Tausende Fotos, immer anspruchsvoller – manchmal brachte ich 70 bis 100 Filme von dort mit nach Hause“, blickt er zurück. Und die Neugierde auf die Ergebnisse war stets sehr groß – da war es für ihn auch nicht ungewöhnlich, direkt vom Rollfeld des Flughafens ins Fotolabor zu fahren, um dort persönlich seine belichteten Filme abzugeben.

Dias rahmen

Damit nicht genug: Nächtens saß der gebürtige Leipziger über ungezählten Dias und rahmte sie – mit Glas. „Zwei Gläser pro Dia, jedes handgeputzt“, betont er den Riesenaufwand.

Siegerfoto

Mitte der 80-er Jahre war Adler zuständig für den Primatenbestand in Leipzig: „Wir hatten ständig viele Affenwaisen in der Familie“, erläutert der Fotograf – und so gelang ihm denn auch ein echter Volltreffer: Ein Foto, das seinen Sohn gemeinsam mit einem Orang Utan-Baby zeigt, holte beim Wettbewerb „Mensch und Tier“ den zweiten Preis einer westdeutschen Illustrierte. Adler gewann eine Kompaktkamera – für die es in der DDR keine Filme gab. „Der Verlag schickte mir dann regelmäßig Nachschub“, ist er noch heute dankbar. Später gab´s das Material gegen harte Währung im Intershop.


Lange Brennweiten bevorzugt: Wenn Zoodirektor Jörg Adler in der Tierwelt auf die Motivpirsch geht, braucht er lichtstarke Objektive mit Brennweiten ab 300 Millimeter. Foto: Wolfram Linke

Vernünftige Bedingungen

Ende 1989 kam die Familie nach Münster: „Nicht wegen des Mauerfalls“, unterstreicht Jörg Adler, „wir hatten vorher schon einen Ausreiseantrag gestellt, damit unsere Kinder vernünftige Bedingungen fürs Studium haben“, blickt er nicht unbedingt gern zurück. Doch nun öffnete sich die Welt: Neben Vietnam und Kambodscha führten die Wege für Jörg Adler auch nach Südafrika, Uganda oder auf die Galapagosinseln.

Zeit für die Ausrüstung

Stets im Gepäck dabei war und ist die Kamera-Ausrüstung: „ich brauche zwanzig Minuten, um meinen Koffer zu packen, aber für meine Fotoausrüstung nehme ich mir schon mal einen Tag Zeit“, meint Adler verschmitzt. Mittlerweile hat das digitale Zeitalter auch bei ihm längst Einzug gehalten. In der Natur sitzen die Tiere nicht am Zaun - lange Brennweiten, teilweise gekoppelt mit gleich zwei Telekonvertern, bringen die Motive formatfüllend näher heran.

Bedrohte Tierwelt

Dabei hat Adler immer die Bedrohung der Tierwelt im Blick – er sieht´s auch als „Marketing für die Natur“ und stellt gleichzeitig die Frage „Was unternehmen die Zoos dafür?“ Der ehemalige Chairman des Europäischen Zooverbandes hält ständig Vorträge zum Thema und engagiert sich außerdem in mehreren Projekten zum Schutz von Affenarten in Vietnam und Kambodscha.

Auch dokumentarischer Wert

Die Fotos, die wir hier in der Bilderstrecke zeigen, haben daher auch einen teils sensationellen dokumentarischen Wert, weil es die einzigen Bilder von vom Aussterben bedrohten Tierarten sind, die es überhaupt gibt. Zu sehen waren einige Fotos schon in Ausstellungen – zuletzt zeigte Adler die Ergebnisse seiner Reisen in der Raphaelsklinik.

Mit Glück

Manche Fotos entstanden nur durch Zufall und vor allem Glück, das dem Zoodirektor offenbar immer wieder zulächelt: „Wenn ich nach Hause komme fragen mich meine Freunde stets ,Na, was ist dir diesmal über den Weg gelaufen?´“, amüsiert er sich – und fängt an zu packen: Die Antarktis ruft – als Reiseleiter betreut Jörg Adler eine Gruppe und verspricht: „Wenn ich wiederkomme, zeig´ ich mal die Fotos!“ Wolfram Linke

Sie sind ein ambitionierter münsterscher Amateurfotograf, haben daheim kleine optische Kostbarkeiten liegen und keine Möglichkeit, sie der Öffentlichkeit zu präsentieren? Ungewöhnliche Perspektiven, fantastische Farben, kuriose Situationen, magische Welten, furiose Fotos – wir zeigen sie. Melden Sie sich – wir stellen Sie und ihr Fotos vor. Interessierte können sich per E-Mail unter foto@echo-muenster.de gerne bei uns melden.

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