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Joey Kelly hat das Quäl-Talent

Joey Kelly auf dem Laufband

Von nichts kommt nichts. Das weiß der im Preußen-Trikot trainierende Joey Kelly, der hier auf dem Laufband im Power-Sports-Studio übt. [Foto: Lutz Hackmann]

[16.01.2008 | Münster | LUH]

Sicher, Joey Kelly ist gewiss kein Riese. Doch die Energie, die dem Gitarristen der Kelly Family innewohnt, ist riesig. Und sie muss raus. Auf der Bühne sowieso. Doch nicht viele wissen, dass Joseph Maria Kelly, so sein voller Name, ein Extremsportler ist. Mit einer langen Latte von Erfolgen.

Derzeit gastieren die Kellys mit dem Zirkus Roncalli in Münster auf dem – noch heißt er ja so – Hindenburgplatz. Und in diesem Programm macht er auch auf dem Hochseil eine gute Figur. Doch auch wenn Kellys Terminkalender bis zum Bersten voll ist – für seine Fitness nimmt sich der 35-Jährige immer Zeit. „Das ist doch nur eine Sache der Organisation“, sagt Joey, „dann geht das. Außerdem“, grinst der frühere Mädchenschwarm mit den langen blonden Haaren, „ist das eh´ kein Problem. Ich bin doch bei der Kelly Family der Konzert-Planer!“ So sorgt der Mann, der bereits über 100 Marathons, Iron Man und Artverwandte hinter sich gebracht hat, in diesen Tagen im Power-Sports-Studio am Hafen dafür, dass seine Kondition auf dem nötigen Level bleibt.

100 Meilen durch die Wüste

„Ich trainiere täglich“, sagt der Barde und Promi und schwingt sich aufs Laufband. Pausen kann sich Kelly nicht leisten: In sechs Wochen nämlich steht die erste echte Herausforderung für den Extremsportler auf dem Programm. In Dubai geht´s aufs Mountainbike – zum 24-Stunden-Rennen. Denn auch auf dem Rad fühlt sich Kelly zu Hause: „Sicherlich ist mein Schwerpunkt das Laufen. Aber ich bestreite auch Wettkämpfe im Triathlon und bei Langstrecken-Radrennen.“ Der Zürich-Marathon, der 100-Kilometer-Lauf im schweizerischen Biel, die 24-Stunden-Mountainbike-Rennen in München und Duisburg und der Köln-Marathon sind fest gebucht. Und die Münsteraner werden den Marathon-Mann Joey Kelly im September auch sehen können beim Münster-Marathon – als Staffel-Läufer mit Preußen Münsters Aufsichtsratschef Thomas Bäumer und dessen Bruder Michael, der Kelly beim Power-Sports als Fitnesstrainer unter die Fittiche genommen hat. Kelly beim Silvesterlauf
Was für andere Sportler ein mörderisches Programm wäre - für Kelly ist es ein ganz normales Jahr. Ob als Läufer durchs Death Valley, die Sahara oder 100 Meilen durch die jordanische Wüste, bei minus 46 Grad durch Kanada oder die 3600 Kilometer mit dem Rad durch Australien von Perth nach Sydney im Dreier-Team – das alles und noch viel mehr hat Kelly seinem Körper schon abgerungen. Nur eine Handvoll Menschen haben es wie der Musiker geschafft, binnen eines Jahres alle Ironman-Veranstaltungen über den gesamten Globus zu absolvieren. Wobei der 35-Jährige auch eine Ader und Talent für Ulkiges hat: Bei Stefan Raabs Wok-WM ist Kelly Titelträger 2006 und hat dabei sogar Deutschlands Rodel-Ikone Schorsch Hackl hinter sich gelassen. Auch bei weiteren TV-Total-Events wie der Stockcar-Challenge in der Arena AufSchalke oder dem Turmspringen ist der Gitarrist zu finden – in diesen Fällen sogar jeweils auf Platz eins.

Kein Talent? Wohl Talent!

Da mag man kaum glauben, dass der privat außerordentlich ruhige Joey Kelly seine Begabung in sportlicher Hinsicht nicht so hoch einschätzt. „Ich sagte einmal zu meinem Lauf-Trainer: Ich habe kein Talent. Er hat mir geantwortet: Joey, du hast Talent. Du kannst dich quälen!“ Und organisieren. Gerne erzählt der im spanischen Toledo geborene Star die Anekdote von seinem Start beim Ironman im fränkischen Roth. „Da hatten wir abends noch einen Auftritt in München. Ich hab´ ein bisschen gerechnet, und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass das passen wird. Doch es wurde ausgesprochen eng, ich bin dann mit dem Hubschrauber nach München und stand exakt fünf Sekunden vor dem ersten Song umgezogen auf der Bühne. Naja, nicht ganz umgezogen – drunter hatte ich noch die Sportklamotten an, aus denen die Startunterlagen vom Ironman rausschauten“, lacht Kelly bei der Erinnerung. „Meine Geschwister haben mich schon komisch angesehen. Aber ich habe mit den Achseln gezuckt und gesagt: Was ist los? Ich bin doch passend da!“ Timing ist eben für Musiker und Sportler gleichermaßen wichtig.

Lutz Hackmann

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