
Kein Schuss in den Ofen: Wenn Olympiasieger Abhinav Bindra durch den münsterschen Diopter blickt, stimmt alles. [Foto: PD]
Dank eines Zielinstrumentes aus Münster schrieb der Sportschütze Abhinav Bindra in Peking Sportgeschichte: Mit einem Präzisionsdiopter aus dem Hause der Feintechnik R. Rittmeyer GmbH holt der Inder im Luftgewehr-Schießen Olympisches Gold. Für sein Heimatland ist das der erste Sieg in einem olympischen Einzelwettkampf.
Wenn Bindra schießt, kommt es auf Bruchteile von Millimetern an. Die Konzentration, das Gefühl für den Raum, die Atmung müssen stimmen. Beim Luftgewehr-Schießen dreht sich alles um den Augenblick des Abdrückens - den perfekten Moment.
Die Kimme von heute ist ein Präzisionsdiopter
Zu dem trägt, rein technisch betrachtet, eine Erfindung aus Münster bei. Heiko Bröker, Konstrukteur bei Rittmeyer, entwarf in seiner Freizeit ein Gerät, das für freie Sicht sorgt und Olympisches Gold gewinnen sollte: Den Präzisionsdiopter Free Sight. „Ein Diopter ist das, was bei klassischen Schussgeräten die Kimme ist“, weiß Geschäftsführer Walter Rittmeyer. „Er ist am hinteren Ende des Gewehres befestigt und beinhaltet eine Blende, die störende Lichteinflüsse herausfiltert.“
Die Verstellschraube für die Höheneinstellung der Blende befand sich früher oberhalb des Gewehres. Beim Free Sight ist das anders: Die Mechanik befindet sich nun unterhalb des Schießinstrumentes. Dadurch wird die Konstruktion flacher und ermöglicht eine freiere Sicht und intensivere Raumwahrnehmung. „Durch die geringe Bauhöhe unseres Präzisionsdiopters bekommt der Schütze zusätzlich eine bessere Seitenbalance“, so Rittmeyer. „Heikos Erfindung war eine Revolution im Sportschießen.“
Heiko Bröker hatte eine Vision...
Nachdem Bröker seinen Arbeitgeber von seiner Vision überzeugt hatte, wurde das Gerät in Kooperation mit der MEC High Tech Shooting Equipment GmbH gebaut. Die Dortmunder Fachfirma entwickelt Präzisionsgeräte für Sportschützen und vertreibt diese weltweit. Auch Maik Eckhart, MEC-Geschäftsführer und vierfacher Olympionike für Deutschland, setzt auf die münstersche Konstruktion. „Als ich Freunden und Kunden den Free Sight präsentiert habe, war die Begeisterung riesig“, erinnert sich Eckhart. „Die Prototypen wurden bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen mehrfach eingesetzt.“ Damals sprangen für den deutschen Rekordmeister die Plätze fünf und sechs im Luftgewehr- und im Liegendschießen heraus. Ein Erfolg, den er auch auf den Einsatz des Free Sight zurückführt.
Milliarden jubelten
Auch Abhinav Bindra ist MEC-Kunde. Der indische Goldjunge trainiert regelmäßig mit Eckhart und hatte schon seit Jahren nach einem Diopter wie den Free Sight gesucht – der Rest ist olympische Erfolgsgeschichte. „Das Gold ist nicht nur ein großer Erfolg für Abhinav“, erkennt Eckhart neidlos an. „Indien hat außer im Herrenhockey noch keine Goldmedaille gewinnen können. Abhinavs letzter Schuss hat eine Milliarde Menschen aufjubeln lassen – das war ein perfekter Moment.“