
Dozent Markus Classen zeigt es gerne, das Bild mit den sieben "Pionieren" , die sich von ihm zum Pflege- und Sozialcoach haben ausbilden lassen. [Foto: Hänscheid]
Nein, die schnellen Rezepte hat er nicht parat – und will sie auch gar nicht vermitteln. Denn Markus Classen bietet mit der von ihm konzipierten und nach seinen Angaben bundesweit einmaligen Ausbildung zum Pflege- und Sozialcoach einen sehr individuellen Prozess an. Sieben „Pioniere“ aus Alten- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern haben das jetzt erlebt.
Acht Mal kamen die berufstätigen Männer und Frauen aus ganz Deutschland in diesem Jahr für je drei Tage nach Münster und legten dabei theoretische und praktische Grundlagen für neue Kompetenzen.
"Handfeste Techniken helfen"
"Die großen Herausforderungen, denen ich als Pflegedirektor eines Bremer Krankenhauses gegenüberstehe“, so sagte z.B. Teilnehmer Carsten Ludwig zu seiner Motivation, „bringen häufig Konfliktsituationen hervor, mit denen ich konstruktiv umgehen muss.“ Dabei helfen die handfesten Techniken, die die Ausbildung vermittelt, gezielt auf die Konfliktparteien zu hören und dann zu Lösungen zu kommen, die sowohl dem Klima im Pflegeteam als auch zwischen Patient und Einrichtung gut tun.
Störendes ausschalten
"Das Coaching gerade in den Pflege- und Sozialberufen wird zunehmend notwendiger", sagt Markus Classen. Da er gut 15 Jahre eigene Erfahrungen aus Psychiatrie, Heilpädagogischer und Alten- und Behinderten-Arbeit in die Ausbildung einfließen lassen kann, ist die Lerngruppe rasch am Punkt: Die Anforderungen zwischen täglichem Ökonomisierungs-Druck und dem Wunsch nach Werte orientierter Pflege und Betreuung zermürben sowohl die Menschen in den Leitungsfunktionen als auch die Mitarbeiter, verunsichern aber auch Angehörige und Patienten. „Ein geschulter Coach kann sein Team effektiver führen, weil er oder sie durch die hörende Haltung signalisiert, dass man gemeinsam Störmomente ausschalten möchte“, weiß Classen.
Verständnis zählt
Je eher schwelende Konflikte auf den Tisch kommen, desto besser für alle Beteiligten: Positive Impulse, Verständnis für beide Parteien und die Anwendung des in Rollenspielen, anhand von Fallbeispielen und in Gruppenarbeit erlernten Handwerkszeugs können schließlich positive Veränderungen herbeiführen. Jeder der neuen Pflege- und Sozialcoaches musste zum Ende der Ausbildung übrigens einen realen Fall in seinem beruflichen Umfeld dokumentieren.
„Das hat – ebenso wie der Lernpartner, den wir aus der Gruppe jeweils zur Seite hatten – wesentlich dazu beigetragen, dass man sich der eigenen Handlungskompetenz auf diesem neuen Feld sicher ist“, zieht Martina Henke, Pflegedienstleitung aus dem Greifswalder Universitätsklinikum, ihr Fazit.
Den Ausbilder reizt am Coaching vor allem eines: „Menschen in Veränderungen zu begleiten“.
Wenn Zwischenmenschliches leidet
Dass in Zeiten zunehmenden Kostendrucks, beruflicher Überforderung und gleichzeitig großer Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes die zwischenmenschliche Ebene fast unausweichlich leidet, macht für Markus Classen deutlich: „Hier muss jeder Betroffene an sich arbeiten, muss ständig reflektieren. Wenn es dann jemanden gibt, der mit den Methoden des Coachings in seiner Umgebung kompetent und reif für Ausgleich sorgen kann, sind viele Schwierigkeiten zu vermeiden“.
Wer sich für die Ausbildung zum Pflege –und Sozialcoach interessiert, kann sich im Internet unter www.pflege-sozial-coach.de [1] informieren. Am 22. November (10 bis 16 Uhr) sowie am 24. Januar gibt es im Büro an Hamburger Straße 2 am Bahnhof jeweils einen „Schnuppertag“, bei dem man die Methoden und natürlich den Dozenten kennen lernen kann. (Anmeldung unter dialog@csmm.de [2] oder unter Tel. 1 43 20 07.
Heike Hänscheid
Links:
[1] http://www.pflege-sozial-coach.de
[2] mailto:dialog@csmm.de