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Protestaktion an der Grevener Straße: Das "Versetzt" ist nun besetzt

Aktivisten vor dem "Versetzt"

Seit Neujahr ist das Haus Nr. 53 besetzt. Mitglieder autonomer Initiativen wollen mit der Protestaktion den drohenden Abriss verhindern. [Foto: Halberscheidt]

[02.01.2009 | Münster | HDT]

Die Transparente verkünden es in dicken roten Lettern: „Bezahlbaren Wohnraum erhalten, Abriss verhindern“. Und gleich darunter heißt es: „Besetzt - Soziales Zentrum für Münster“: Seit Neujahr haben Mitglieder autonomer Initiativen das Gebäude Grevener Straße 53 mitsamt dem „Versetzt“-Geschäftslokal in Beschlag genommen.

Anlass für diesen erneuten demonstrativen Schritt: der ungelöste Konflikt mit der Wohn + Stadtbau um den künftigen Bestand der dortigen Meile.

Spontaner Fetenbesuch

„Entstanden ist die Idee auf der großen Silvesterparty“, berichtet Max Rilke, einer der Sprecher. „Da haben wir kurzerhand beschlossen, dass wir nicht weichen werden“ - wir: das waren rund 150 bis 200 Gäste, die mit ihrem spontanen Fetenbesuch dokumentieren wollten, „dass sich niemand aus unserem Treff vertreiben lässt.“ Für den war Ende Dezember der Kontrakt offiziell ausgelaufen, unter Protest hatte der Verein für Autonomie, Soziokultur und Kommunikation (ask e.V.) als Träger die Schlüssel abgeliefert.

Inzwischen wurden leerstehende Wohnungen wieder hergerichtet, obendrein die nach Rilkes Worten „zuvor vom Eigentümer herausgerissenen Anschlüsse für Wasser und Kanalisation“ wieder installiert. Auch Zählerstände hat man akribisch notiert. „Das, was wir verbrauchen“, erklärt die Runde, „bezahlen wir natürlich.“ Was die Gruppe nicht hinnehmen mag: „Die Räumlichkeiten befinden sich eigentlich in einem optimalen Zustand. Nicht einzusehen, warum sie jetzt unbenutzt bleiben sollen, zumal es ja an billigen Angeboten mangelt?“     

Veranstaltungsprogramm

Die Transparente sind nicht zu übersehen: Bezahlbarer Wohnraum soll entlang der Häuserzeile an der Grevener Straße erhalten bleiben. Foto: PD

Darüber hinaus empfindet es der Zusammenschluss als „Skandal“, dass bislang immer noch keine Alternative für das „Versetzt“ offeriert wurde. „Es nun plattzumachen ohne eine Ausweichmöglichkeit zu nennen, ist reinste Provokation.“ So berufen sich die Aktivisten darauf, dass man ihnen vor neun Jahren, bei der umstrittenen Räumung der Uppenbergschule, eben diese Anlaufadresse versprochen hatte.

Für die kommenden Tage bereiten die Besetzer eine Veranstaltungsreihe vor – darunter Filmvorführungen oder Sanitäter-Workshops. Einen launigen Quiz-Abend will man außerdem planen. Motto: „Wer wird Revolutionär?“ Mit derlei Offerten soll erreicht werden, dass sich "stets genügend Personen" in dem Komplex tummeln. 

"Billiges Spielchen"

Klemens Nottenkemper, Chef der  Wohn + Stadtbau, hat aufgrund der „leidigen Vorgeschichte“ mit einer solchen Aktion gerechnet. „Wir wurden davon nicht überrascht“, unterstreicht er auf Anfrage. Dass unlängst die Ladenschlüssel ausgehändigt wurden, nun aber Besetzungen stattfänden, bewertet der Geschäftsführer als billiges Spielchen. Denn: Die früheren Mieter in den Gebäuden 53/55 seien inzwischen anderweitig versorgt worden, ein Vertrag sei bis Ende Januar befristet – mit der Option, anschließend einvernehmliche Lösungen herbeizuführen.

Und in einem anderen Fall  deute sich ebenfalls der Auszug an. „Von der Abbruch- bis zur Errichtungsgenehmigung liegt alles vor“, betont Nottenkemper mit Nachdruck, „darüber hinaus sind die öffentlichen Mittel für den Neubau längst bewilligt.“ Über die aktuelle Situation werde man Anfang der nächsten Woche „in aller Ruhe“ beraten.

Gültige Beschlüsse

„Dieses Thema“, fügt Michael Toddenroth, Leiter der Hausverwaltung, hinzu, „klären wir völlig unaufgeregt.“ Zudem existierten sowohl „gültige Rats- als auch Aufsichtsratsbeschlüsse“, die besagte Zeile entlang der Grevener an die künftig breitere Straßenführung anzupassen.

Dass bislang für das „Versetzt“ kein neuer Aufenthaltsraum geschaffen worden sei, „ist die Aufgabe der Kommune. Damit haben wir nichts zu tun.“

Bei der Polizei weiß man von der jüngsten Entwicklung. "Doch zunächst ist es Sache des Hausherrn, die Angelegenheit zu regeln", sieht Sprecher Alfons Probst gegenwärtig keinen Einsatzbedarf. 

Wolfgang Halberscheidt

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