
Das "Kufsteinlied" als Publikumsschunkler: die "6-Zylinder", die Original Pumpernickel-Band und Clair Howells (Theater Titanick) als Frontfrau sorgen für einen witzigen Abschluss der Adam Riese Show [Foto: Tom Heyken]
Fürwahr, the times they are a-changin': Wer hätte je gedacht, dass im Pumpenhaus - dem Musentempel für avantgardistische Produktionen - die Zuschauer im Takt des "Kufsteinliedes" eifrig schunkeln, seriöse Musiker dazu unter Konfetti-Kanonaden lauthals losschallern? Und sämtliche Beteiligten - die Künstler hier, das Publikum da - gewinnen dem Spektakel sogar richtig Spaß ab.
Die Adam Riese Show, sie endet am Samstag vor ausverkaufter, kräftig applaudierender Kulisse in einer Mordsgaudi. Das alles passiert, wenn der Moderator Gäste einlädt, die selbst vor Kreativität sprühen.
Clair Howells etwa, eine der Macherinnen im Theater Titanick. Lässt sich für den Auftritt in einer Badewanne auf das Podium rollen, wird dann mitsamt dem Zuber rasch unter die Saaldecke katapultiert, um von dort oben aus jenen Gastoldi-Song "A lieta vita" zu interpretieren, den sie ansonsten während der ganz normalen Aufführungen zum Besten gibt. Oder Uwe Köhler, ihr Ehemann, zugleich Chef des Schauspieler-Ensembles und im Nebenberuf ausgebildeter Pyrotechniker. Kein Wunder, dass der, im besten Sinne, manch überraschende Lunte legt - das Feuerwerk beim Finale inbegriffen.
Innig schmusende Pärchen
Adam Riese (l.) im Gespräch mit "Theater Titanick"-Chef Uwe Köhler. Von alten WG-Zeiten in der Kronenburg bis zu Tournee-Erlebnissen mit Dario Fo: Der Moderator entlockt seinem Gast höchst amüsante Anekdoten. Foto: Heyken
Anschaulich erzählen können die beiden auch. So wohnte Köhler Mitte der Siebziger in Münsters berühmt-berüchtigter Szene-Adresse, der Kronenburg. Zufälligerweise wurde die Malerfirma seines Vaters mit Renovierungsarbeiten beauftragt, bis sich die Kolonne hartnäckig weigerte, die Zimmer überhaupt noch zu betreten, nachdem sie in den Räumen mehrfach innig schmusende Pärchen aufgeschreckt hatte.
Der Lehrer in spe kassierte kurze Zeit darauf "wegen charakterlicher Nichteignung" ein Berufsverbot, weil er den Ordnungshütern am Bauzaun von Brokdorf als Demonstrant gegen das Atomkraftwerk aufgefallen war. Irgendwann lernte er in Paris, der Stadt der Liebe, seine spätere Frau kennen.
In der ersten Reihe: Dario Fo
Typisch "Theater Titanick": Schauspielerin Clair Howells schwebt mitsamt Badewanne unter der Saaldecke dahin, singt obendrein noch den Song "A lieta vita" von Giovanni Giacomo Gastoldi. Foto: Heyken
Gemeinsam plaudern sie Tournee-Geschichten aus, berichten beispielsweise vom Zusammentreffen mit dem Autor und Regisseur Dario Fo. Der beobachtete in Mailand mit blütenweißem Anzug aus der ersten Reihe die Aufführung der Münsteraner, war nach dem Happening aber ob der Wasserfluten völlig durchnässt. Das Missgeschick konnte die Begeisterung des Italieners nicht dämpfen: Nun verdanken ihm Köhler/Howells ein exklusiv für sie verfasstes Stück.
Nicht minder unterhaltsam, ja geradezu witzig, trumpfen die 6-Zylinder auf, Münsters A-cappella-Spezialisten, seit Sommer 2008 bekanntlich als Quintett unterwegs. Wer wusste schon bis dato, dass Winne Voget, der Pastorensohn, als Kind auf der Kirchenorgel übte? Oder dass Neuzugang Matthias Ortmann ein Meister im Beatboxing ist? Jos Gerritschen hat die Lacher auf seiner Seite, wenn er zu wienerischen oder sächsischen Anekdoten ausholt, dabei köstlich Dialekte imitiert. Thomas Michaelis verrät eine Schwäche fürs Golfen, der fünfte im Bunde, Hendrik Leidreiter, glänzt privat als Heimwerker.
Schlechtgelaunte Damen
Beim munteren Talk wird es enthüllt: Die meisten der "6-Zylinder" können sich keine Krawatte binden. Dafür wartet Winne Voget mit anderen Fähigkeiten auf: Er schafft es, aus der alten Toastbrot-Tüte eine Fliege zu basteln. Foto: Heyken
Nach und nach nehmen sie alle auf dem Sofa Platz, sitzen schließlich zum Gemeinschaftsinterview Riese gegenüber. Der entlockt ihnen immer weitere Geheimnisse - dass die meisten keine Krawatten binden können, dass Michaelis einst beim Kreuzviertelbäcker für die Formation rekrutiert wurde und dass bei Konzerten in der ehemaligen DDR häufig uniformierte, obendrein schlechtgelaunte Damen die Gruppe ins rechte Licht rücken mussten.
Stadt, Land, Fluss
So ergibt ein (Stich-)Wort das andere, munter spielt man sich innerhalb der Runde die Pointen zu. Dazwischen TV-Werbesports, Filmeinblendungen aus dem "Musikantenstadl" oder neckische kleine Spielchen wie "Stadt, Land, Fluss".
Natürlich - gesungen wird auch, Seite an Seite mit der Original Pumpernickel-Band, die auf das Zeichen von Markus Paßlick hört. Letztlich zweieinhalb Stunden, die wie im Fluge verstreichen. Ein amüsanter, kurzweiliger Abend. Das volle Programm.
Und dann war da noch die Sache mit dem "Kufstein"-Schmankerl nebst Howells als Frontsängerin ...
Nähere Informationen im Netz unter Kulturkreis des Adam Riese [1]
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Links:
[1] http://www.adamriese.net/
[2] http://www.echo-muenster.de/node/48519