Am Servatiiplatz präsentierten heute die Unterzeichner des Bürgerantrags ihr Projekt. Im Schatten des Hochhauses könnte ein Standort für die Skulptur sein. [Foto: Hänscheid]
„Münsters Geschichte von unten“ (Paul-Wulf-Skulptur) ist wieder da. Nein, noch nicht am von der Bezirksvertretung Münster-Mitte vorgeschlagenen Standort am Servatiiplatz, sondern auf den Tischen der Ratsmitglieder.
Es gibt einen „Bürgerantrag“, der – ein Jahr nach dem Aus im Kulturausschuss – das Kunstwerk von Silke Wagner [1] aus dem Depot holen möchte. Thomas Seifert, Wilsberg-Autor Jürgen Kehrer, Ludger Schnieder (Pumpenhaus), Dr. Carina Plath (Kuratorin der Skulpurprojekte 2007) sowie der münstersche Künstler Ruppe Koselleck sind die Initiatoren dieser Anregung, die am morgigen Mittwoch in der Ratssitzung eingebracht wird.
10 000 Euro gesammelt
„Wir möchten das Thema erneut auf die Tagesordnung der Stadt gesetzt sehen“, so Seifert als Sprecher der Initiativgruppe, die eng mit dem Freundeskreis Paul Wulf [2]und dem Förderverein Villa ten Hompel zusammenarbeitet. Hier wird nämlich ein Spendenkonto geführt, auf dem sich bereits gut 10 000 der für Ankauf, Aufstellung und Pflege notwendigen 50 000 Euro angesammelt haben. „Für uns ist es dabei ein wichtiges Signal, dass sich diese Summe aus bisher rund 80 Einzelspenden zusammensetzt“, betont Jürgen Kehrer, denn das sei doch ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Skulptur von vielen gewünscht würde. „Ein Big Spender wäre doch langweilig“, findet Kehrer – „die vielen kleinen Sponsoren bringen im Sinne von Silke Wagner doch viel mehr Diskussion“.
24 prominente Unterstützer
„Blamabel“ sei die Ablehnung des Ankaufs damals gelaufen, da sind sich die Initiatoren und die 25 Antrags-Unterstützer – von Götz Alsmann über Axel Prahl bis zum Kölner Museums-Direktor Kaspar König und Münsters ehemaliger Oberbürgermeisterin Marion Tüns - einig. „Vielleicht aber hat dieses Jahr seit der Ablehnung einfach das Klima auch etwas entspannt“, erinnert Carina Plathe an die seinerzeitige „kulturpolitische Erbitterung“ im Zeichen der Auseinandersetzungen rund um die Musikhalle.
Entspannteres Klima?
So hoffen die Initiatoren, dass man heute etwas gelassener mit der „Geschichte von unten“ umgehen könne und vielleicht auch deutlicher sehe, dass es nicht vordergründig um ein „Denkmal für eine Person (eben Paul Wulf) gehe, sondern um eine Auseinandersetzung der Stadtgesellschaft mit der Vergangenheit. „Eine Stadt ist doch nur dann lebendig, wenn sie auch Sprödes zulässt“, findet Koselleck, der allein die Beschäftigung des Freundes- und Initiativkreises mit dem Thema der Skulptur als Teil des Kunstwerkes sieht.
Ziele des Antrags
Der Bürgerantrag möchte sich als Signal an Spender und Verantwortliche verstanden wissen und den Rat veranlassen, sich für den Erhalt der Skulptur auszusprechen. Dabei soll die Politik die Verwaltung beauftragen, die weitere Spendensammlung zu unterstützen und zu koordinieren. Außerdem soll geprüft werden, welche organisatorischen und baulichen Maßnahmen zur Aufstellung der Skulptur erforderlich sind und ob die Stadt diese Leistungen – wie etwa den Bau eines Sockels und die Sicherung – möglicherweise übernehmen könnte, um die Kosten für Ankauf, Aufstellung und regelmäßige Plakatierung zu senken. Geplant ist bisher, die Säule für fünf Jahre am öffentlichen Ort auszustellen, sie dann später eventuell dauerhaft bei der Villa ten Hompel zu zeigen, wo sich auch der politische Nachlass von Paul Wulf befindet.
Heike Hänscheid
Leser Sie auch: "Nein" zu provokativer Kunst [3]
und: Spenden fließen nicht in Strömen [4]
Links:
[1] http://www.skulptur-projekte.de/kuenstler/wagner
[2] http://www.paul-wulf.net/Skulptur.htm
[3] http://www.echo-muenster.de/node/1266
[4] http://www.echo-muenster.de/node/42408