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Demo auf dem Prinzipalmarkt: Delfinschützer lassen nicht locker

Delfine im Allwetterzoo Münster

Delfine im Becken: Sind sie in Münsters Zoo gut aufgehoben? "Nein", sagt Jürgen Ortmüller vom WDSF, "Ja" sagt Biologin Sandra Isenberg. [Foto: Allwetterzoo Münster]

[15.07.2009 | Münster | CKR]

Die Vorwürfe gegen das Delfinarium in Münsters Allwetterzoo, sie scheinen kein Ende zu nehmen: Um damit auch eine breite Öffentlichkeit zu erreichen, veranstaltet das Wal- und Delfinschutzforum (WDSF) am Samstag, 18. Juli, ab 10 Uhr eine öffentliche Protestkundgebung auf dem Prinzipalmarkt.

„Der Unvernunft des Zoodirektors Jörg Adler ist es zu verdanken, dass nun eine ganze Stadt im Zentrum der bundesweiten Kritik steht“, heißt es in einer Pressemeldung der Organisation aus Hagen. Moniert wird von Leiter Jürgen Ortmüller unter anderem, dass der Tierpark im Jahr durchschnittlich 3,2 Millionen Euro Verluste verbuchen müsse – die der münstersche Steuerzahler zu begleichen habe – das Delfinarium hingegen, das sich in privater Hand eines holländischen Geschäftsführers befindet, alljährlich Gewinne einfahre, die wiederum im Ausland landeten.

Im Kreuzfeuer der Kritik

Von wirtschaftlichen Aspekten mal abgesehen, steht vor allem das Becken selbst im Kreuzfeuer der Kritik: Bereits im vergangenen Jahr habe ein vom Landesamt für Umwelt, Natur und Verbraucherschutz (LANUV) beauftragtes Gutachten ergeben, die Meeressäuger würden unter mangelnden Lichtverhältnissen leiden – ein neues, lichtdurchlässiges Hallendach soll nun bis 2010 erbaut werden. Auch die gemeinsame Haltung mit den Seelöwen wurde beanstandet – von der unzulänglichen Beckengröße ganz zu schweigen –, weiterhin die „lautstarke und verzerrte Sprach- und Musikbeschallung“ der Einrichtung sowie die „mangelhafte Beckenabsperrung“.

"Ein grausames und lukratives Geschäft"

Doch damit nicht genug: Die Stadt Münster übermittelte dem WDSF auf Antrag der weiteren Überprüfung der Anlage eine Kopie des Ablehnungsbescheides für die Erhöhung der Anzahl der Delfine – derzeit leben fünf Große Tümmler und sechs Seelöwen in dem Bassin. „Gleichwohl“, heißt es weiterhin, „hatte das Delfinarium im September letzten Jahres drei neue Jungdelfine aufgenommen und einen ausgewachsenen Delfin abgegeben. Gleichzeitig schwärzte die Stadt jedoch in der Kopie die Anzahl der tatsächlich beantragten Tiere.“ Bei der Demonstration am Samstag gehe es nicht zuletzt darum, „die Münsteraner darüber aufzuklären, dass es sich bei der Delfinhaltung in erster Linie um ein grausames und lukratives Geschäft zu Lasten der intelligenten Meeressäuger handelt, die niemals mehr ausgewildert werden und den Rest ihres Lebens unter dieser Gefangenschaft und als Show-Objekte leiden.“

"Wir erfüllen alle Haltungsanforderungen" 

Ganz anderer Meinung ist da Sandra Isenberg. Sie ist Biologin im münsterschen Delfinarium und weiß: „ Auch unser Betrieb unterliegt den Auflagen der EU-Zoorichtlinie: Darunter fallen auch spezielle Haltungsanforderungen für Säugetiere, die wir über die Mindestanforderungen hinaus erfüllen.“ Einmal im Jahr werde die Anlage sowohl vom städtischen Umweltamt als auch vom zuständigen Veterinäramt überprüft – der aktuelle Stand: „Alles in Ordnung“, bestätigt die Fachfrau.

"Tierhaltungsgegner"

Das beantragte Hallendach werde zwar tatsächlich gebaut, „aber nicht, weil Herr Ortmüller es so will, sondern weil es mit dem Amt so abgesprochen wurde“, betont Isenberg. Darüber hinaus sehe sie in dem Aktivisten lediglich einen „Tierhaltungsgegner“, nicht jedoch den vermeintlichen Tierschützer. „Viele Projekte, die vom WDSF gefordert werden, sind absolut nicht realisierbar und noch dazu überhaupt nicht nötig“, wundert sich die Expertin. Zudem halte sie es für falsch, Delfine und andere Meeressäuger aus dem Gesamtzusammenhang der Tierhaltung herauszureißen: „Sie sind genauso sehr Zootier wie Schimpanse, Löwe oder Giraffe.“

Der Demonstration am kommenden Samstag blickt sie gelassen entgegen, da sie weiß: „Diskussionen um Delfine werden immer emotional geführt.“

Wer mehr wissen will: Ein Infoblatt [1] verrät Wissenswertes über das Delfinarium Münster.

Caroline Kern

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