
Schreiben. [Foto: Pixelio/Seidel]
Millionen Menschen weltweit können nicht lesen und schreiben. Daran erinnert die Unesco jedes Jahr am 8. September. Für viele Entwicklungsländer ist dies bekannt. Doch womit niemand rechnet: Analphabetismus ist auch ein Problem in Deutschland.
„Nach unseren Schätzungen leben hierzulande vier Millionen funktionale Analphabeten, die trotz Erfüllung der Schulpflicht nur so gut lesen und schreiben können wie Kinder in der ersten oder zweiten Klasse“, erklärt Peter Hubertus, Geschäftsführer des in Münster beheimateten Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung, den eigenen Anspruch.
Gravierende Folgen
Die Folgen dieser Defizite sind für die Betroffenen gravierend: Aus Scham verheimlichen sie ihr Problem und nehmen viel zu selten Lernangebote wahr. Wer heute die Schule verlässt, ohne über ausreichende Lese- und Schreibfähigkeiten zu verfügen, hat aber fast keine Chance, einen Ausbildungsplatz zu finden. Ebenso ungünstig sind die Beschäftigungsmöglichkeiten für gering qualifizierte Erwachsene, die kaum lesen, schreiben und rechnen können. Viele sind arbeitslos. Erwerbstätige mit Grundbildungsdefiziten müssen sich zumeist mit einfachen und schlecht bezahlten Tätigkeiten abfinden.
Sicherung von Grundbildung
„Der Standortvorteil durch qualifizierte Fachkräfte, den Deutschland im internationalen Wettbewerb behaupten muss, lässt sich nur aufrecht erhalten, wenn es dem Bildungssystem gelingt, alle Schüler so zu fördern, dass sie mindestens mit der Ausbildungsreife die Schule verlassen. Nur mit der Sicherung von Grundbildung lässt sich die Entstehung von funktionalem Analphabetismus langfristig verhindern“, betont Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, anlässlich des Weltalphabetisierungstags am 8. September.
„Chancen erarbeiten“
Beide Häuser beteiligen sich zusammen mit der Universität Bielefeld und dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft, Regionalbüro Darmstadt, an dem Entwicklungs- und Forschungsprojekt „Chancen erarbeiten“. Dieses Verbundvorhaben hat unter anderem das Ziel, Handlungs- und Bildungskompetenzen funktionaler Analphabeten zu ermitteln und Grundbildungsanforderungen aus betrieblicher Sicht an Schulabsolventen wie auch an berufstätige Erwachsene zu bestimmen. Ebenso sollen arbeitsplatzbezogene Fördermaßnahmen entwickelt werden, um die beruflichen Integrationsmöglichkeiten von Geringqualifizierten mit mangelnden Lese- und Schreibfähigkeiten zu verbessern.
Die Finanzierung dieses Projektes wie auch von weiteren 26 Forschungsverbünden erfolgt über das Bundesministerium für Bildung und Forschung.