
Sie organisierten den ersten "tierischen Gottesdienst" im Zoo (v.l.): Dr. Rainer Hagencord, Stephan M. Stötzel und Jörg Adler, hier mit Esel Fridolin. [Fotos: Bartmann]
Während „Fridolin“ sich gelassen von den Kindern streicheln ließ, war „Tine“ etwas nervös: Kein Wunder, scharrte sich am Sonntagnachmittag (18. Oktober) doch eine handvoll Fotografen um die beiden Poitou-Riesenesel im Allwetterzoo. Der Anlass: Gemeinsam mit etwa hundert Besuchern wohnten sie dem ersten ökumenischen Gottesdienst in der Anlage bei.
„Seit fünfzehn Jahren träume ich davon, gemeinsam mit den Tieren einen Gottesdienst zu veranstalten. Deswegen freue ich mich sehr, dass es heute so weit ist“, strahlte Zoodirektor Jörg Adler. Für seine Idee habe er alle Hebel in Bewegung gesetzt, sprach sogar beim Weihbischof vor. Letztendlicher Auslöser war dann eine Begegnung mit dem katholischen Theologen und Zoologen Dr. Rainer Hagencord (Foto rechts) vor zwei Monaten: Der Ahlener war nicht zuletzt deshalb von Adlers Wunsch angetan, weil er sich schon lange mit dem Verhältnis von Mensch und Tier beschäftigt. So wird er im Dezember Münsters erstes Institut für Theologische Zoologie eröffnen.

Bei schönstem Herbstwetter fanden sich am Sonntagnachmittag zahlreiche kleine wie auch große Zoobesucher zum Gottesdienst auf dem Landoisplatz ein.
Chor „Saitenwind“
Für den evangelischen Part der Messe war Pfarrer Stephan M. Stötzel von der Lukas-Gemeinde verantwortlich. „Als mein Gemeindepfarrer war er sofort mein Wunschkandidat. Außerdem weiß ich, dass Tiere eine große Rolle für ihn spielen“, erklärte Adler. Und so standen diese auch im Mittelpunkt des Gottesdienstes: Der Chor „Saitenwind“ dankte musikalisch für die Welt mit all ihren Lebewesen, die Theologin Dr. Aurica Nutt las eine Geschichte aus der Bibel, die die oftmals schlechte Behandlung der Vier- durch die Zweibeiner thematisierte.
Bedrohte Tierarten
„Der Mensch kann nicht ohne Tiere leben, diese ohne ihn aber sehr wohl. Das sollten wir uns stärker bewusst machen: Unsere Verantwortung beginnt schon im Supermarkt vor der Fleisch- und Käsetheke“, mahnte Hagencord und erinnerte die Zuhörer: „Auch wenn sie durch diesen Zoo schlendern, begegnen sie vielen bedrohten Tierarten. Eine Tatsache, die uns nachdenken lassen und unseren Umgang mit diesen Geschöpfen überprüfen lassen sollte.“ Auch die Fürbitten, neben den beiden Geistlichen von Adler und Marketingassistentin Stefanie Heeke gelesen, begründeten ihren Appell auf das Missverhältnis zwischen den Lebewesen – und forderten „offene Augen für Gottes Werk“.
Nach einer guten halben Stunde ließen die Akteure die Feier ausklingen, Eseldame Tine (Foto oben links) hatte ihren ersten Gottesdienst "überstanden". Und Adler war sich sicher: „Dies wird nicht der letzte ‚tierische Gottesdienst‘ gewesen sein.“
Caroline Kern