
Deviants in ihrem Block: Nicht nur im Preußenstadion haben sich die Fans der Unterstützung des Teams verschrieben. [Foto: PR]
In Teilen der vielschichtigen Fanszene des SC Preußen brodelt es. Sichtbar und hörbar für alle Stadionbesucher ist längst, dass sich die Gruppen voneinander abgrenzen. Hinter dem der Öffentlichkeit vermittelten Bild und abseits des sportlichen Geschehens aber spitzt sich ein Konflikt mit Gewaltpotenzial zu.
Inzwischen musste die Polizei außerhalb des Stadions und Stunden nach einem Spiel eingreifen, um Auseinandersetzungen rivalisierender Anhänger zu stoppen.
Gegen die Eskalation
Faktisch und zum Nachteil aller dreht sich die Spirale – damit will sich die Ultra-Gruppe namens Deviants jetzt nicht mehr abfinden. Im Gespräch mit echo-muenster erläuterten ihre Vertreter, auf welchen Wegen eine Deeskalation erreicht werden kann. „Wir müssen dringend zurück zu einer Gesprächskultur - und alle Seiten, auch unsere, müssen zur Eindämmung der Konflikte beitragen.“
Neugründung mit Folgen
Zum Hintergrund: Die inzwischen ständig wachsende Deviants-Gruppe hat sich im Herbst 2008 gegründet, einige ihrer führenden Köpfe waren einst maßgeblich an dem Fanklub-Zusammenschluss Curva Monasteria beteiligt. Als „schleichenden Prozess“ erlebten jene Männer in der Curva, wie sich ihre Ideale und ihre Ideen vom Miteinander nicht mehr verwirklichen ließen. „Es passte nicht mehr, der Austritt war ein erster logischer Schritt aus unserer Sicht, die Gründung der Deviants der zweite.“
Als Ultras sehen sie sich „gewissen Idealen verpflichtet.“ Die „ausdauernde Unterstützung der eigenen Mannschaft sowie Kreativität“ beim Support sind verbindliche Maßstäbe. Die Gruppe wollte und will vordringlich „die soziale Komponente, die in den letzten Jahren viel zu kurz gekommen ist, umso stärker betonen.“ Respekt voreinander und Toleranz untereinander stehen oben an. „Zusammenhalt und Geschlossenheit sollen nicht mehr bloß leere Hülsen bleiben.“ Ausdrücklich wird gesagt: „Wir wünschen uns eine ausdauernde, kreative und kulturell vielfältige Kurve.“
„Es passt einfach unter uns“
Vieles von dem, was die Deviants untereinander leben, sahen sie in der
Curva als nicht mehr umsetzbar an. „Insgesamt sahen wir dieses Projekt insofern als gescheitert an.“ Im neuen Kreis, der inzwischen bis zu 70 Fans bei Heimspielen versammelt, „lebt das Kollektiv auf und geht einen klaren Weg. Viele Freundschaften sind entstanden, es passt einfach unter uns.“ Um die Identität zu festigen, seien anfangs Abgrenzungen nötig gewesen. „Ja, wir haben uns zunächst regelrecht isoliert, was fürs Gruppengefühl aber wichtig war.“
Diese Fans fahren auch bewusst in eigens gemieteten Bussen zu Auswärtsspielen, suchten sich gezielt ihren festen Stehbereich im Stadion. Unter anderem diese Abschottungstendenzen führten dazu, dass die Deviants erst als Konkurrenz beäugt, dann mehr und mehr beschimpft wurden. Von dem Graffiti, das die Deviants in Absprache mit dem SC Preußen am Stadion anbringen ließen, woraufhin es beschmiert wurde, hat echo-muenster berichtet ("Neuer Ärger am Preußenstadion" [1]).
„Regeln wurden schnell gebrochen“
Inzwischen gibt es kein Mit- oder Nebeneinander verschiedener Gruppen mehr, sondern ein zumeist aggressives Gegeneinander. „Das schaukelte sich hoch.“ Zwar hätten sich Deviants und andere kurz nach der Neugründung im Oktober 2008 einmal getroffen, um Umgangsregeln festzulegen, „aber die wurden schneller gebrochen als sie besprochen waren.“
Zurzeit redet niemand mehr, zuletzt waren Tendenzen der Eskalation festzustellen. Nicht mehr alleine im Stadion, ob daheim oder auswärts, sondern lange nach den Spielen und in der Privatsphäre einzelner. Aggressionen gegen Deviants würden geschürt. „Es werden Lügen verbreitet.“ Diese Gemengenlage vergifte das Klima. Mit den Fanbetreuern sind diese Probleme besprochen. Deren Pendeln von einer Seite zur anderen hat noch nichts bewirkt.
Gesprächsangebot als Zeichen
„Was inzwischen alles passiert ist, geht deutlich zu weit“, urteilen die Deviants entschieden. Und sind entschlossen, Stoppzeichen zu setzen. „Wir bieten Gespräche an – das hätten wir sicherlich früher machen müssen“, gehen sie auch selbstkritisch mit der Entwicklung um. „Wir wissen, dass auch von uns etwas kommen muss.“
Es müsse doch machbar sein, so ihr Tenor, ohne Aufgabe von Identitäten und Idealen jedweder Gruppe eine tragbare – und aggressionsfreie – Basis für alle Preußenfans zu schaffen. Ein Schritt in Richtung Öffnung könne auch die Teilnahme am Treffen des Fan-Bündnisses [2] des Vereins sein, dem die Deviants bisher stets fern geblieben sind.
Thomas Austermann
Links:
[1] http://www.echo-muenster.de/node/56270
[2] http://www.echo-muenster.de/node/55189