
"Gemeinsam sind wir stark". Nach der Nominierung trafen sich die beiden Landtagskandidaten Christoph Jauch und Petra Pabst mit dem FDP-Kreisvorsitzenden Daniel Bahr (r.) zum symbolischen Händedruck. [Foto: echo-muenster]
Daniel Bahr, der FDP-Kreisvorsitzende, war zufrieden. Sehr zufrieden sogar - über die profunde Mischung aus „beruflicher Erfahrung“ und „jugendlichem Elan“: Soeben hatte die Basis auf ihrer Versammlung im „Rusticus“ Christoph Jauch, 59, und Petra Pabst, 26, als Direktkandidaten für die Landtagswahl am 9. Mai nominiert.
„Das Team“, freute sich Bahr über das Ergebnis, „mit dem wir gut aufgestellt sind.“ Jauch, ein bekannter Kaufmann aus dem Kreuzviertel, trat erst jüngst in die Partei ein. Trotzdem erzielte er auf Anhieb ein beachtliches Resultat: So entfielen auf seine Bewerbung im Bezirk Münster-Nord 52 Ja-, 0 Nein-Stimmen sowie 5 Enthaltungen. Und weil er „viel und gerne arbeitet“ – das Feinkostgeschäft an der Hoyastraße führt er zusammen mit seiner Frau seit den späten Siebzigern -, traut sich der gebürtige Münchener durchaus die neue Herausforderung auf dem politischen Parkett zu.
"Intelligenz" und "Esprit"
So will er vor allem für den Mittelstand Flagge zeigen, will die eigenen Positionen mit „Intelligenz“ und „Esprit“ unters Volk bringen. Während der Rede zur Person erinnerte der Lebensmittelhändler an ein Buch aus früheren Jugendtagen: „Gullivers Reisen“, die Erzählung des irischen Autors und Priesters Jonathan Swift. Nein – dazu dürfe es nicht kommen, dass der Einzelne von der Gesellschaft derart geknebelt werde wie es einst die Zwerge mit dem Protagonisten des Werkes vorexerziert hätten. „Die Souveränität des Bürgers, sie ist mir wichtig.“
Pabst wiederum, Studentin der Politikwissenschaften und einstige Kreisvorsitzende bei den JuLis, setzt Akzente auf anderen Gebieten – im Hochschul- und Bildungssektor. Überdies möchte sie mithelfen, die Erfolge des schwarzgelben Bündnisses – Stichwort: Kibiz - offensiver nach draußen zu tragen. „Hier“, betonte sie, „hier dürfen wir nicht der Opposition und deren Miesmacherei das Feld überlassen.“ Aus der Regierung heraus seien „überzeugende, gestalterische Elemente“ zu entwickeln.
Beeindruckender Vertrauensbeweis
Die engagierten, temperamentvollen Ausführungen endeten mit einem beeindruckenden Vertrauensbeweis: Für die Mittzwanzigerin votierten 55 Mitglieder. Zudem gab es kein Gegenvotum – und nur zwei Enthaltungen. Was da jetzt in Münster-Süd lockt, ist eine interessante Chance. "Ich bin schon ganz gespannt", lächelte sie vielsagend, "gespannt auf die verbalen Rededuelle mit meinem Konkurrenten Rüdiger Sagel."
Bahr blieb es dann zum Schluss des offiziellen Teils vorbehalten, das Resümee zu ziehen. Gewiss: Seite an Seite mit dem "Arbeiterführer Jürgen Rüttgers" seien liberale Konzepte in der Vergangenheit „nicht immer hundertprozentig“ realisierbar gewesen, gleichwohl habe NRW unter der Regierungverantwortung von CDU/FDP enorm aufgeholt. Als Beispiel erinnerte der im Oktober frisch ins Amt berufene Parlamentarische Staatssekretär an die innovativen, von Fachminister Andreas Pinkwart maßgeblich initiierten Zukunftsprojekte an Rhein und Ruhr. Devise: „Gelder gehören nicht in verrottete Bergwerke, sondern in kluge Köpfe gesteckt.“
Gemütlicher Meinungsaustausch
Dass der „blau-gelbe Faden“ in den Kabinettsrunden von Düsseldorf als auch Berlin deutlich zu erkennen sei, vergaß der 33-Jährige ebenfalls nicht zu erwähnen. Desto intensiver appellierte er an das Auditorium, in den nächsten Monaten voller Tatkraft abermals für „klare Verhältnisse“ zu sorgen. Der Blick ins hiesige Rathaus beweise mehr denn je, wie notwendig stabile Mehrheiten wären …
Danach nutzte man das Treffen für den gemütlichen Meinungsaustausch – beim traditionellen Grünkohlessen.
Wolfgang Halberscheidt