
Mit der Michael Schenker Group auf Amerika-Trip: Exklusiv für echo-muenster.de berichtet "Vossi", Frontmann der hiesigen Heavy Band "Mad Max", über seine Eindrücke auf der US-Konzerttour. [Foto: PD]
Michael Voss, Frontmann bei der hiesigen Heavy-Band "Mad Max", weilte mit seinem Spezi Michael Schenker über den Jahreswechsel auf Konzertreise durch Amerika. Exklusiv für echo-muenster.de berichtet er über Eindrücke und Erfahrungen aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten.
Nachfolgend gibt's aus seinem ganz persönlichen Tour-Tagebuch den neuen Eintrag, der allerdings aufgrund technischer Übermittlungsprobleme erst jetzt, nach der Rückkehr aus den Vereinigten Staaten, für die Veröffentlichung zur Verfügung steht.
29. Dezember - Redondo Beach, Brixton
Hello America. Und wieder ein wunderschöner Tag in Kalifornien. Was die Leichtigkeit des Seins angeht, sind die Amis ungekrönte Weltmeister. Hier tummeln sich die mannigfaltigsten Spezies. Schon beim morgendlichen Breakfast siehst du Spezialmodelle in super-dick, extrem-dünn, knallbunt und allesamt gekleidet mit dreiviertel Shorts und XXL T-Shirts. Allein die Speisen-Auswahl ist nicht besonders gross: Bagels, Donuts, Serials und Kaffee. Das war es fast schon beinah. Ich entscheide mich lieber für einen Toast mit Marmelade. Das passt schon. Irgendwie muss ich ja in den Tag starten. Natürlich begleitet vom omnipräsenten TV. Die Screens hängen hier überall in zehnfacher Ausführung. Sogar auf den Toiletten. Absolutes Top-Thema momentan: Der missglückte Terroranschlag auf die Passagiermaschine von Delta Airlines.
Da kann ich mich nächste Woche beim Heimflug schon mal auf einen verschärften Check einstellen. Das Security Department hat sogar in Erwägung gezogen, über kurz oder lang Ganzkörperscans einzuführen und Profile der Reisenden zu erstellen. Hoffe, das bewirkt etwas und macht das Fliegen sicherer. Das wär uns allen zu wünschen.
Als ich später über die Boardwalks spaziere, komme ich an einem kleinen Fischgeschäft vorbei. Die Krebse, oder was auch immer das sein soll, werden hier lebendig verkauft. Vor einer Auslage aber bleibe ich stehen, denn was da geschrieben steht, haut mich vollends aus den Socken. Nicht genug, dass die Krabbler sich lebendig in engen Becken tummeln, nein. Es gibt hier sogar die Möglichkeit, zwischen männlichen und weiblichen zu wählen. Wie, zum Teufel, wollen die das sehen?
Ich sage ja: Crazy like Hell.
Die Show gestern Abend war klasse. Wir haben uns alle langsam akklimatisiert und die Songs zucken, so dass von Anfang an die Menge gerockt wird. Ein alter Bekannter, den ich 23 Jahre nicht gesehen habe, lief mir dann auch noch über den Weg: Joshua Perahia, der in Sachen christlicher Musik hier in den Staaten eine verdammt grosse Nummer ist. Ein kleiner Smalltalk vor der Show - und dann ab auf die Bühne.
1. Januar 2010 - Orange Blossom, Exeter
Prost Neujahr kann ich nur sagen. Nach einem Abstecher in San Juan fängt unsere Show langsam an zu tippeln. Keine besonderen Geschehnisse zu berichten. Nach dem Auftritt ging es direkt Richtung San Francisco. Nach fünf Stunden Fahrt nimmt die Zivilisation langsam ab und sinkt auf den Nullpunkt. Unser Fahrer setzt den Blinker rechts - und ich denk noch, auf diesem Highway ist doch nichts außer einer riesigen Orangenplantage. Und genau das ist es: wir feiern Silvester in einem Gourmet Tempel auf einer Plantage. Crazy like Hell.
Chefkoch George begrüßt uns nachmittags mit einem breiten Grinsen und wir wundern uns, ob es heute denn wohl voll werden kann. Ein Vier-Gang-Menü wird inklusive Ticket für 100 Dollar angeboten. Na denn mal los. Kurzer Soundcheck und ab ins Holiday Inn 20 Meilen entfernt. Auch hier laufen die Vorbereitungen für die Silvester-Sause auf Hochtouren.
Als wir gegen 21.30 Uhr im Restaurant ankommen, sind alle Tische weg und durch Stühle ersetzt worden und bis auf den letzten Platz besetzt. Wow ... das wird gemütlich. Quasi wie im Wohnzimmer. Doug, der Betreiber und Alt-Hippie, erzählt uns noch kurz von Woodstock. Und dass hier in der Nähe der grösste Baum der Welt steht. Leider fehlt uns wie immer die Zeit, den zu besuchen. Egal. Alles läuft wie geschmiert, lediglich unser Sänger Gary hat sich eine Erkältung eingefangen und quält sich durch den Set. Um kurz vor zwölf wird dann noch eine Gitarre von Herrn Schenker für über 1000 Dollar versteigert. Der Betrag kommt einem Cancer Found zugute.
Wir heben mit der Belegschaft und den Fans die Gläser: Happy New Year!