
Gwen Horemans (l.) und Ines Bathen - hier im Block gegen Aachen Preiß - müssen am Samstag bei der Alemannia mit Trainingsrückstand antreten. [Foto: Hackmann]
Schaut man auf die Tabelle, ist man als Beobachter schnell geneigt, sich festzulegen: Der USC Münster fährt als klarer Favorit am Samstag zur Alemannia nach Aachen. Doch für den von Axel Büring trainierten Volleyball-Bundesligisten aus Westfalen wächst sich die Aufgabe zur Herausforderung aus.
Nicht so sehr deswegen, weil in der Halle an der Neuköllner Straße ein volles Haus und begeisterte Stimmung zu erwarten sind, oder weil die Aachenerinnen den Unabhängigen den Rang der Nummer Eins im Frauenvolleyball Nordrhein-Westfalens abspenstig machen könnten. Oder rein sportlich eine unüberwindbare Hürde darstellten. Da spricht die Bilanz klar für Münster (zehn Saisonsiege), und nicht für die Alemannen (drei Siege).
Mersmann springt ein
Das Problem liegt beim USC selbst, respektive an der Tatsache, dass Büring in den letzten Tagen aus verschiedenen Gründen das Personal schlicht und ergreifend auf ein Minimum weggebröckelt ist: Nur Kathi Holzgreve, Barbara Degi und Steffi Golla steigen ohne Blessuren oder gesund in den Bus. Für Lea Hildebrand, Maren Brinker, Ines Bathen (alle grippale Infekte mit Bettruhe) und Gwen Horemans (Knieprobleme) muss es trotz ihrer Trainingspausen unter der Woche am Samstagabend (19 Uhr) gehen. Die Achte und Letzte im Bunde der wackeren USC-Frauen, die bei den Rheinländern auflaufen können, ist Teresa Mersmann. Die Beacherin und Angreiferin aus der USC-Zweitligatruppe wäre allerdings oben festgespielt, sobald sie das Spielfeld betritt.
"Ganz schön eng"
„Das ist mit diesem Kader natürlich ganz schön eng“, weiß Büring vor dem Hintergrund, mit nur einer einzigen, dazu noch im Oberhaus unerfahrenen Wechselspielerin bei den hoch motivierten Alemannen antreten zu können. „Verletzungen und Krankheiten sind im Volleyball normal“, sagt der 42-Jährige zu den Ausfällen, wobei er sich mit den Konsequenzen, die die Diagnose „Pfeiffersches Drüsenfieber“ bei seiner ersten Zuspielerin Michaela Jelinkova für die tschechische Nationalspielerin und für sein Team bedeutet, unmittelbar vor dem Punktspiel in Aachen „noch nicht beschäftigt“. Zudem fehlen die mit Zweitspielrecht in den Jugendteams ihrer Stammvereine ausgestatteten Youngsters. Sina Fuchs, Kim Behrens und Rebecca Schäperklaus spielen die Westdeutschen Meisterschaften der WJA für Union Lüdinghausen, Cinja Tillmann, die normalerweise für Jelinkova hoch gerückt wäre, ist mit dem ASV Senden im Einsatz. „Als Trainer der ersten Mannschaft schmeckt mir das nicht, als jemand, der das Gesamtkonzept mit den Partnervereinen vollkommen unterstützt, ist das natürlich in Ordnung. Wir müssen Samstag dann eben so klarkommen“, nimmt Büring die wackeren Übriggebliebenen in die Pflicht.
Individuelle Qualität im Kader
Büring fährt allerdings „optimistisch nach Aachen“. Woher nimmt der Amelsbürener diesen Optimismus? „Unser Team ist sehr gefestigt. Und wir haben ja durchaus auch individuelle Qualität im Kader!“ Die komfortable Situation mit vier Siegen in Serie und die damit verbundene Tatsache, dass im Umfeld die Schulterklopfer die Meckerer abgelöst haben, genießen sie jetzt beim USC. Büring erklärt: „Wenn man erfolgreich arbeitet, fühlt man sich wohl, hat Selbstbewusstsein und bekommt Anerkennung.“ Das führe aber nicht dazu, dass sich das Team jetzt auf dem Erreichten ausruhen würde. „Im Gegenteil“, betont Büring, „das macht Hunger auf mehr. Im Januar wollte das niemand hören, aber schon damals habe ich gesagt, dass im Team der starke Wille ist, sich zu verbessern.“
Aachen "ausgezeichnet verstärkt"
Dass es in Aachen nicht so leicht wird, wie es die tabellarische Ausgangsposition suggeriert, macht Büring auch am Gegner fest. „Ich bin etwas erstaunt, dass Aachen erst sechs Punkte hat. Ich halte Alemannia für besser als im letzten Jahr, sie haben sich in ihrer zweiten Erstligasaison ausgezeichnet verstärkt“, findet Büring. In der Vorsaison gewannen die Aachener ihr Heimspiel sogar 3:0, beim 3:1 des USC im Hinspiel Mitte November am Berg Fidel hatten die Unabhängigen ebenfalls einige Mühe. „Es wird eine Herausforderung. Aber wir wollen gewinnen und mit einem Sieg nach Hause fahren“, gibt sich Büring kämpferisch.
Lutz Hackmann