
Garanten für gute Stimmung: Richard (l.) und Gerd Bracht. Gemeinsam mit ihrer Jazz-Universität baten sie in der Halle Münsterland die Gäste des Lebensfestes auf das Tanzparkett. [Fotos: Halberscheidt]
Fernseh-Pfiffikus Götz Alsmann erzählte die Geschichte mit diebischem Vergnügen. Je länger der TV-Star die Begebenheit ausschmückte, desto blumiger fiel die Anekdote letztlich aus. Jene nette Episode über den Kaplan mit dem adretten Helanca-Pullover, der in den Sechzigern die junge Meute im Pfarrheim mit frischem Liedgut zu begeistern versuchte und flugs muntere „Chospel“-Songs anstimmte.
Damit war der Running-Gag für das Lebensfest kreiert. Ließ sich nur irgendwo bei den Ansagen ein „G“ einbauen, wurde schnell die westfälische „Ch“-Mundart-Variante daraus – zur Freude der Besucher, die an den Tischen der beinahe ausverkauften Halle Münsterland Alsmanns Juxereien zu kopieren begannen. Ja, es herrschte gute Stimmung bei der langen, mittlerweile zum zehnten Mal ausgerichteten Benefiz-Nacht zu Gunsten des Handorfer Hospizes.
Jubiläums-Ausgabe

Klaus Renzel, einer der Publikumslieblinge. Sein Markenzeichen: virtuose Gitarrenklänge sowie spitzbübische Grimassen. Foto: Halberscheidt
Weil es sich um die Jubiläums-Ausgabe handelte, wollten die Organisatoren ihren Gästen etwas Besonderes bieten - und hatten für den offiziellen Teil eine Art Best-Of-Mischung zusammen gestellt. Darunter etliche Publikumslieblinge, die bereits in der Vergangenheit die Menge prächtig bei Laune hielten. Klaus Renzel beispielsweise, ein virtuoser Komödiant.

Stimmgewaltig: die Mitglieder der von 6-Zylinder-Mann Winne Voget betreuten Gesangsformation "Hot `n` Gospel". Das Osnabrücker Ensemble feierte beim Lebensfest Münster-Premiere. Foto: Halberscheidt
Viel Worte benötigt der nicht, um die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen: So reichen in der Regel bereits ein paar schrille Gitarrenklänge sowie entgleiste Gesichtszüge, schon krümmt man sich im Auditorium vor Lachen. Verquirlt er dann noch Beethovens alten „Elise“-Klassiker wieselflink zu einem wilden Potpourri aus allseits geläufigen Rock-, Pop- und Volkslieder-Titeln, sind die Leute hin und weg.
Exzellente Körperbeherrschung
Ein Künstler wie der ist sich auch nicht zu schade dafür, Eric Burdons ewigen Dauerbrenner „House Of The Rising Sun“ in der Rewind- Variante einfach rückwärts zu klampfen. Überhaupt: Was Renzel da an schrägen Überraschungen aus dem Griffbrett hervorzaubert, beschert ihm zum Schluss den fetten Applaus. Den ernten Tatjana Jentsch und die von ihr betreute „X-travagance“-Company ebenfalls - der Lohn für eine rasant choreografierte Tanz-Einlage voller Leidenschaft. Exzellente Körperbeherrschung zeichnet zudem die Makros aus, ihre Akrobatik-Show liefert stets aufs Neue die Hingucker.

Münsters Opern-Star Henrike Jacob ("Lulu") begeisterte das Auditorium - von Götz Alsmann am Flügel begeistert - mit einem fünfzehnminütigen Intermezzo. Von den Gästen eifrig beklatscht: die Interpretation des alten Gershwin-Klassikers "Summertime". Foto: Halberscheidt
Stolze Münster-Premiere feierte die „Hot `n‘ Gospel“-Formation, betreut von Winne Voget, im Hauptberuf A-cappella-Spezialist bei den 6-Zylindern. Chor plus Band verbreiteten mit ihrem Repertoire einen Groove, der sich im Saal blitzschnell ausbreitete: Begeistert schnippten, wippten die Massen bei den swingenden Gesangsnummern mit.
Neckische Parodien
Der Rhythmus, wo jeder mit muss: Das galt zum einen für die Zwillinge und deren Jazz-Universität, zum anderen für die Blechharmoniker - eine illustre Truppe, vier Herren nebst Dame. Vor diesem Ensemble ist nichts und niemand sicher: Ähnlich wie Renzel verhohnepipelten die fünf Kölner so ziemlich alles, was sich je an Ohrwürmern behauptete.

Mireille Mathieu, den Spatz von Paris, gab's gleich mehrfach - eine Idee der Theatergruppe kfd Handorf, mit der den Protagonistinnen der Beifall der Zuschauer gewiss war. Foto: Halberscheidt
Diesmal zog das Quintett vor allem über die Schlagerbranche her, pustete gar manch neckische Parodie ins Horn – auf hohem Niveau, versteht sich. Amüsant, der Auftritt, wären bloß die Comedy-Intermezzi ein wenig spritziger gewesen … . Dafür brauchte sich niemand beim Auftritt der Bandidas über mangelnden Schwung zu beklagen. Den gab's satt - dank des heißen Trommelfeuers, das die Frauenband mit ihren brasilanischen Sambainstrumenten entfachte.
Dass am Ende Franz-Josef Dröge, der Geschäftsführer des Lebenshauses, einen „fantastischen, wunderbaren Abend“ bilanzieren durfte, hat er nicht zuletzt seinem Conferencier zu verdanken. Der führte schlitzohrig-charmant durch das Programm, erwies sich ein weiteres Mal als der bewährte Entertainer.
Tausendsassa Alsmann
Musikalisch sowieso immer top. Ob er nun kleine Traktätchen auf der Ukulele vortrug, mit dem Banjo in der Hand unerwartet aus der Kulisse auftauchte oder Henrike Jacob, Opern-Star an den Städtischen Bühnen, am Flügel begleitete: Alsmann ist und bleibt der Tausendsassa (s. Foto links).
So klopfte ihm Dröge erleichtert auf die Schulter, nachdem sich der Moderator den Mai-Termin fürs nächste Jahr aufmerksam notiert hatte.
Übrigens: Eintrittsgelder und Tombola-Einnahmen helfen jetzt wieder mit, dass zehn schwerkranke Patienten die letzte Phase in einem würdigen Umfeld verbringen.
Wolfgang Halberscheidt