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DGB setzt auf den "starken Sozialstaat": Am 1. Mai zieht der Protestmarsch zum Rathausinnenhof

Featurebild: DGB-Macher mit Plakat

Heraus zum 1. Mai: Die Gewerkschafter Peter Mai (v.l.), Heinz Rittermeier und Carstens Peters rufen zur Teilnahme an der DGB-Kundgebung im Rathaus-Innenhof auf. [Foto: PD]

[28.04.2010 | Münster | HDT]

Der 1. Mai. Und alles wie immer? The same procedure as every year? Es war im vergangenen Jahr: Rund sechshundert Akteure versammelten sich im Rathausinnenhof, um an der traditionellen Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes teilzunehmen.

Doch als nach beinahe zweistündigem Rede-Marathon schließlich der letzte Sprecher sein Manuskript beiseite legte, war fast die Hälfte der Zuhörer schon wieder verschwunden. Gar mancher stellte sich da die heimliche Frage, ob derartige "Frontal-Beschallung"  - so lautete jedenfalls der O-Ton eines couragierten Vertrauensmannes - überhaupt zeitgemäß sei. 

Mitmach- und Begegnungsfest

Nicht von ungefähr hatte Berthold Paschert, ehemaliger Geschäftsführer des GEW-Stadtverbandes, bereits in den späten Neunzigern über andere Veranstaltungskonzepte nachgedacht. Bunt und multikulturell sollte der Tag seiner Ansicht nach inszeniert werden – als ein für die ganze Familie aufgezogenes Mitmach- und Begegnungsfest, das politische Inhalte keineswegs ausspart, gleichzeitig aber nicht überstrapaziert.

Doch die Idee, so engagiert sie auch klang, vermochte die Basis am Ende nicht richtig zu überzeugen. Carsten Peters, nach Peter Mai Münsters stellvertretender DGB-Vorsitzender, verteidigt daher das aktuelle Format: „Wir haben inzwischen gegenüber früher viel getan, um die Verweildauer zu erhöhen.“

Essens- und Getränkestände

Zum einen biete der Platz als in sich geschlossenes Karree heimeliges Flair, zum anderen seien mit den musikalischen Auftritten oder der Hüpfburg für Kinder zusätzliche Unterhaltungselemente geschaffen worden. Darüber hinaus würden Essens- und Getränkestände aufgebaut, so dass auf dem Platz eine "nette Gemeinschaftsstimmung" herrsche. Bei der Auswahl der Redner gelte es ein „breites gesellschaftliches Spektrum“ zu berücksichtigen  - für ihn geradezu selbstverständlich, dass „neben den Kollegen und Kolleginnen“ auch Vertreter aus Hochschulgruppen oder Mitglieder des Integrationsrates zu Wort kommen müssten.

Und noch etwas hätten die Organisatoren  bei ihrer Planung zu berücksichtigen, betont Mai nachdrücklich: „Politiker sind im Publikum als Gäste willkommen, nicht aber hinter dem Mikrofon.“ Ihnen „auch noch zu diesem Anlass“ eine Plattform zu eröffnen, nein, das verböten interne Regelungen. So existiert seit 2007 der Beschluss, wonach am 1. Mai vor allem die eigenen, gewerkschaftlichen Positionen zu akzentuieren sind.

Deutliche Schelte

Und die lassen sich 2010 rasch einprägen: „Gute Arbeit“ oder „starker Sozialstaat“  verlangen die Slogans auf den massenweise verteilten Handzetteln. Alles Themen, die Heinz Rittermeier, DGB-Chef in der Region Münsterland und zugleich einer der Vortragenden, am nächsten Samstag näher erläutern wird.

Dass in dem Zusammenhang  Bundesaußenminister Guido Westerwelle ob der „skandalösen Angriffe auf Hartz IV-Empfänger“ mit geharnischter Schelte rechnen darf, macht Rittermeier schon vorab, im Pressegespräch, deutlich. „Einfach diffamierend, was der gesagt hat.“ Darüber hinaus beziehen sich die zentralen Forderungen auf  Festlegung eines Mindestlohnes bzw. auf Eindämmung zeitlich befristeter Beschäftigungsverhältnisse. 

Schulterschluss mit Studierenden

Was Mai wiederum freut, ist der aus dem Bildungsstreik resultierende Schulterschluss mit Schülern und Studenten: „Abschaffung der Studiengebühren ist ein weiteres Thema, dem wir uns widmen werden.“

Zum Ablauf: Um 11 Uhr setzt sich der Protestmarsch ab dem Treffpunkt Zumsandestraße 35 in Bewegung, gegen 12 Uhr will der Demonstrationszug das Stadthaus erreicht haben. Zu denen, die sich zur Begrüßung angekündigt haben,  gehört Oberbürgermeister Markus Lewe.

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