Eine "sachliche Betriebsratversammlung" gab es am Dienstagmorgen bei Karstadt Münster - mit dem Ergebnis: Große Neuigkeiten gibt es nicht, Abwarten ist das Gebot der Stunde. [Fotos: Kern]
Als „angespannt, aber gefasst“ beschreibt Karstadt Münster-Chef Thomas du Buy die Stimmung seiner Belegschaft. Zusammen mit dem stellvertretenden Betriebsratschef Burkhard Langhorst und einer Ver.di-Vertreterin hat er am Dienstag, 4. Mai, die 150 Beschäftigten in einer Versammlung über den aktuellen Stand der Verhandlungen über die insolvente Warenhauskette informiert.
„Die Sitzung ist gut verlaufen“, resümiert du Buy (Foto rechts), „wir haben die Lage einvernehmlich und sachlich dargestellt.“ So sieht es momentan aus: Die Frist für einen Vertragsabschluss mit Kaufinteressent Triton läuft am 28. Mai aus, nach Meinung du Buys stehe dem nichts mehr im Wege. Zu klären sei aber noch, unter welchen Bedingungen der Vertrag abgeschlossen wird: „Es geht um Mietsenkungen, Kürzungen von Weihnachts- und Urlaubsgeldern, Flexibilisierung der Arbeitszeiten und die Aufhebung der Beschäftigungssicherung“, sagt der Geschäftsführer.
Aufteilen der Arbeitszeit
Die letzten beiden Punkte bedeuten: Per Arbeitszeitkonto kann das Stundenpensum so aufgeteilt werden, dass beispielsweise in der Weihnachstzeit und an Samstagen mehr Mitarbeiter eingesetzt werden, an schwächeren Tagen eben weniger. Und "Beschäftigungssicherung" meint, dass innerhalb des ersten Jahres nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens (1. September 2009) keine Kündigungen ausgesprochen werden dürfen - eine Regelung, die gegebenenfalls ungültig würde.
Letzte Lösung: Kündigung
Grundsätzliche Kürzungen in der Belegschaft seien indes nicht zu erwarten. „Lediglich in Warenbereichen, die zu wenig Gewinn erzielen, sind Umstrukturierungen zu erwarten“, erklärt du Buy und fügt hinzu: „In solchen Fällen wird zunächst alles versucht, doch noch positive Ergebnisse zu erzielen. Sollte das nicht funktionieren, muss über eine Weitervermietung bestimmter Branchenbereiche nachgedacht werden. Erst wenn das auch nicht weiterhilft, müssten diese Abteilungen geschlossen und damit die Mitarbeiter entlassen werden.“ Eine unwahrscheinliche Entwicklung, zu der er keine konkreten Beispiele nennen konnte.
Du Buys vorläufiges Fazit: „Es gilt also weiterhin: Abwarten und beobachten.“
Caroline Kern